Was vereint die globalen Protestbewegungen?

09.07.2020

Auch im Jahr 2020 strömen die Menschen auf die Strassen. Doch was vereint diese Bewegungen? Was unterscheidet sie?

Der nachfolgende Text basiert auf einem Auszug aus der GDI-Studie «Globale Konsumproteste: Rebellion zwischen Hoffnung und Hype», die über unsere Website bezogen werden kann.

Die Protestwelle von 2019 schwappt trotz Corona-Pandemie auf 2020 über. Black Lives Matter, Gilets jaunes, Hong Kong: Menschen strömen weltweit wieder auf die Strassen, um ihre Forderungen zu verlautbaren.

Die heutigen Protestbewegungen erinnern an die Bürgerproteste, die vor fast einem Jahrzehnt begannen, von Occupy Wall Street im Jahr 2011 bis zu den Demonstrationen der «indignados» in Spanien im selben Jahr. «Diese Bewegungen sprechen keine bestimmten Zielgruppen an», sagt Paolo Gerbaudo, ein politischer Soziologe am King‘s College London, gegenüber «The Atlantic». «Sie appellieren an die Gesamtheit der Bürger. die sich von der politischen Klasse betrogen fühlen.» 

Protest Welle

Unabhängig von den jeweiligen Auslösern  haben die Proteste ähnliche Organisationsformen angenommen: Ihr rasches Wachstum und die hohe Sichtbarkeit ist zu einem grossen Teil auf die sozialen Medien zurückzuführen, die es den Teilnehmern ermöglichen, dezentraler zu kommunizieren und sich zu organisieren. Dies ist keine zufällige Entwicklung, sondern oft beabsichtigt und strategisch. Während sich einige auf verschlüsselte Nachrichtendienste verlassen, nutzen andere die Ad-Hoc-Funktionen ihrer Smartphones, um Inhalte direkt zwischen Endgeräten auszutauschen. «Die Technologie ermöglicht Führungsfreiheit in einer Weise, die vorher nicht möglich war,» sagt Carne Ross, Executive Director des Independent Diplomat, bei «The Atlantic».

Die Protestbewegungen haben neben vielen Gemeinsamkeiten natürlich auch Aspekte, in denen sie sich unterscheiden. Die Menschen gehen für unterschiedliche Anliegen auf die Strassen und fordern entsprechend auch unterschiedliche Lösungen. Sie lassen sich grob in folgende drei Gruppen aufteilen:
 

  1. Proteste für mehr Demokratie fordern mehr politische Freiheiten und Selbstbestimmung. Sie sprechen sich gegen Unterdrückung und Fremdbestimmung aus. Zu dieser Gruppe gehören die Proteste in Hongkong und in Katalonien.
  2. Proteste gegen Ungleichheit starteten oft mit einem kleinen Auslöser wie beispielsweise einer Preiserhöhung oder einer neuen Steuer. Die Menschen bleiben aber auf der Strasse wegen der ungleichen Verteilung von Reichtum, Macht und Möglichkeiten. Zu dieser Gruppe gehören die Proteste in Chile, Frankreich und im Libanon.
  3. Proteste für das Klima rufen zu Massnahmen gegen den Klimawandel auf und fordern von PolitikerInnen, Unternehmen, Staaten, Organisationen und Verbänden, dass sie etwas gegen die Klimakrise unternehmen. Zu dieser Gruppe gehören die Climate Strikes mit der Fridays-for-Future-Bewegung sowie Extinction Rebellion.

Trotz unterschiedlicher Gründe für die Streiks bleibt ein wichtiger gemeinsamer Nenner: Die Proteste richten sich gegen ineffiziente Regierungen und diejenigen Menschen in Machtpositionen, die etwas gegen die Probleme der Bevölkerung tun könnten, aber weiterhin tatenlos zuschauen.