Wut schlägt Angst: Proteste und die Pandemie

Trotz Pandemie versammeln sich die Menschen nach dem Protestjahr 2019 auch 2020 wieder zu Tausenden auf der Strasse, um sich für ihre Anliegen einzusetzen. Eine in Kürze erscheinende GDI-Studie nimmt den Einfluss der globalen Proteste genauer unter die Lupe.

Proteste

2019 könnte nach 1968 als nächstes grosses Jahr der Proteste in die Geschichte eingehen. Ob explodierende Kosten für Güter des täglichen Bedarfs wie Brot, Benzin oder Metro-Tickets, Gesetzesänderungen oder die Klimakrise – auf der ganzen Welt gingen die Menschen im Jahr 2019 auf die Strassen, um ihrem Frust, ihrer Verzweiflung, ihrer Wut Ausdruck zu geben.

Durch den Ausbruch der Covid-19-Pandemie startete die neue Dekade in Hinblick auf Proteste etwas ruhiger als die vorherige endete. Menschen waren aufgerufen, in ihren Häusern zu bleiben, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu stoppen. Doch auch im Lockdown fanden sich Wege, dem Unmut Gehör zu verschaffen – sei das durch lautstarke Balkonproteste mit Pfannen und Töpfen oder in virtuellen Hashtag-Aktionen und Challenges.

Bald fanden auch gegen die staatlichen Massnahmen zum Schutz vor dem Corona-Virus Proteste statt. Auf allen Kontinenten widersetzten sich Menschen den Anordnungen ihrer Regierungen und demonstrierten gegen den Lockdown und seine wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und sozialen Folgen.

Nach ersten Lockerungen der Beschränkungen gewinnen die bisherigen Protestbewegungen nun wieder an Fahrt. In Hongkong finden erneut Proteste gegen den steigenden Einfluss von China statt, im Libanon demonstrieren die Menschen trotz Ausgangsbeschränkungen gegen ihre Regierung und die steigende Armut, in Frankreich werden wieder gelbe Westen getragen, in Brasilien treffen Anhänger und Gegner von Präsident Jair Bolsonaro heftig aufeinander, und der Tod des Afroamerikaners George Floyd nach einem gewaltsamen Polizeieinsatz in Minneapolis löste eine Black-Lives-Matter-Protestwelle aus, die nicht nur alle 50 US-Staaten erfasste, sondern zu globalen Kundgebungen gegen Rassismus und Polizeigewalt führte.
Die Bedrohung durch das Virus scheint weniger Gewicht zu haben als die politischen, sozialen und gesellschaftlichen Probleme. Wut schlägt Angst.

Was vereint die globalen Protestbewegungen? Wodurch unterscheiden sie sich? Wie überträgt sich dieser Aktivismus auf den Konsum? – Diese Fragen untersucht  das Gottlieb Duttweiler Institut in seiner neusten Studie «Globale Konsumproteste: Rebellion zwischen Hoffnung und Hype». Die Studie erscheint am Donnerstag, 18. Juni 2020.