Wie Paris seine Innenstadt rettet

12.08.2020

In Paris ist der Erhalt einer abwechslungsreichen Handelslandschaft öffentliche Aufgabe. Das von der Stadt beauftragte Unternehmen Semaest kauft Ladenlokale und vermietet sie günstig an kleine Einzelhändler. Semaest-Direktorin Emmanuelle Hoss erklärt in einem Podcast und an der GDI-Handelstagung, wie sie so die Einkaufsviertel von Paris vor der Verödung bewahrt.

Laden Paris

Ladenmieten steigen seit Jahren. Das spüren kleine und unabhängige Geschäfte besonders. In Paris können sich viele die Mieten kaum noch leisten. Abhilfe schafft da Semaest. Das Unternehmen kümmert sich um den Erhalt des Pariser Einzelhandels und will so verhindern, dass die allgegenwärtigen globalen Handelsketten auch an der Seine das Strassenbild dominieren. Im Auftrag und mit Geldern der Stadt Paris kauft Semaest Ladenlokale und vermietet sie sehr günstig an diejenigen Händler, deren Waren am besten ins Quartier passen.

Bewährt sich ein Ladenkonzept, haben die Besitzer nach ein paar Jahren die Option, das Objekt zu kaufen. So lohnt sich die Investition am Ende auch wieder für die Stadt.

«Meine Miete ist super günstig – ich zahle ein Drittel weniger als gleich grosse Läden in der Strasse», schwärmt Metzgereibesitzer Christian Laurent in einem Deutschlandfunk-Podcast. «Zudem musste ich keinen Ablass für die Übernahme des Pachtvertrags leisten. Investieren brauchte ich nur in die Ladenausstattung.»

Hunderte kleine Geschäfte haben mit der Hilfe von Semaest in den letzten Jahren eröffnet. Und wo ein kleiner Laden eröffnet, folgen weitere oft ganz von allein, sagt die Pariser Stadträtin Olivia Polski: «Bei dieser ersten, ‘Vitalquartier‘ genannten Aktion haben wir festgestellt: Wenn wir nur fünf Prozent der Ladenzeile in einer Strasse an interessante Einzelhändler verpachten, dann gelingt es nach und nach, die bestehende Mono-Aktivität durch ein vielfältiges Einkaufsangebot zu ersetzen.»

Buchläden geniessen einen Sonderstatus, wenn es um den Erhalt des Pariser Handels geht. Laut Semaest-Direktorin Emmanuelle Hoss sind sie besonders unterstützenswert: «Bei Buchhandlungen und Verlagen dürfen wir in ganz Paris intervenieren. Denn sie könnten ohne öffentliche Hilfe nicht überleben.» Das liege an der Buchpreisbindung in Frankreich aber auch an der Konkurrenz durch Amazon.