Smart Mirror – ein neues Interface entsteht

Sprechende Spiegel sind heute nicht mehr der bösen Stiefmutter aus «Schneewittchen» vorbehalten. Immer mehr Menschen nutzen «Smart Mirrors» – momentan vor allem in der Mode- und Kosmetikbranche. Doch ihr Potential ist noch lange nicht ausgeschöpft. Ein Ausblick von GDI-Forscher Stefan Breit.

Smart Mirror

«Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?» Schon vor 200 Jahren konnten Spiegel kommunizieren – wenn auch nur im Märchen. Heute sind sie in Form von «Smart Mirrors» Wirklichkeit geworden. Temperatursensoren, Touch-Fähigkeit, Internetverbindung und andere technologische Erweiterungen machen aus dem Spiegelbild mehr als ein simples Abbild unseres Äusseren.

Momentan werden smarte Spiegel noch vorwiegend in der Mode- und Kosmetikbranche eingesetzt. Bekannte Beispiele dafür sind der MemoryMirror oder ModiFace. Mithilfe von Augmented-Reality-Funktionalitäten können Kleidungsstücke in verschiedenen Farben anprobiert werden und Beautyprodukte wie Lippenstifte oder Lidschatten getestet. Gleichzeitig kann man diese Spiegelbilder auf Social Media teilen.

Glaubt man Stanford-Professor Michal Kosinski, der durch den Skandal um Cambridge Analytica bekannt wurde, werden Computerprogramme künftig noch viel mehr aus unserem Spiegelbild ablesen können. Politische Einstellung, sexuelle Orientierung, IQ, Gesundheitszustand, Gefühlslage, kriminelle Neigung oder Charakterzüge: bald alles aus wenigen Fotos – oder eben dem Spiegelbild – ersichtlich.

Bereits heute kann man anhand eines einfachen Farbfotos der Netzhaut erkennen, wie alt eine Person ist, welches Geschlecht sie hat, ob sie in ihrem Leben geraucht hat oder wie hoch ihr Blutzuckerspiegel und ihr Blutdruck sind. In Zukunft sollen auch Erkrankungen wie Diabetes, Demenz oder Parkinson mit einem einzigen Blick in die Augen diagnostiziert werden können.

Im Zuge der Entwicklungen rund um das Smart Home wird der Spiegel zu einer immer wichtigeren Benutzeroberfläche, die mehr als Befunde darüber stellen kann, wer die «Schönste im Land» ist.