Selbstregulation: Der Schlüssel zum Erfolg

Wollen wir mehr Sport treiben, uns gesünder ernähren, weniger Netflix schauen, sind Selbstregulation und Selbstreflektion entscheidend. Diese Fähigkeiten hängen auch von unserem sozialen Umfeld sowie unserer ökonomischen Sicherheit ab, das zeigt die GDI-Studie «Prävention im Umbruch».

Selbstregulation Rennen
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Der nachfolgende Text basiert auf einem Auszug aus der GDI-Studie «Prävention im Umbruch», die über unsere Website bezogen werden kann.

Die Pandemie bringt in erster Linie bestehende Gewohnheiten durcheinander. Meist geschieht dies in eine gesundheitlich negative Richtung, da es oft um Verhaltensweisen geht, in denen die ungesunde Veränderung die einfachere ist. Es ist einfacher, mit dem Joggen aufzuhören als damit anzufangen. Negative Veränderungen sind deshalb auch oft eher ein Abdriften und weniger eine bewusste Entscheidung. Die Disruption muss aber, wie wir gesehen haben, nicht nur negativ sein.

Positive Veränderungen von Gewohnheiten oder auch nur die Aufrechterhaltung von Gewohnheiten trotz einschneidender Disruptionen bedürfen aber einer bewussteren Koordination. Hier kommen Förderfaktoren wie soziale Einbettung, psychische Gesundheit oder Wohlstand ins Spiel. Zwar haben alle Förderfaktoren ihre eigene, einzigartige Wirkung auf die Resilienz von Gewohnheiten. Es gibt aber auch Überschneidungen. Alle hängen mit Fähigkeiten der Selbstkontrolle und Selbstregulation zusammen. Das ist die Fähigkeit, eigenes Verhalten bewusst zu steuern und zu reflektieren und auch langfristig zu planen, anstatt nur kurzfristigen Impulsen zu folgen.

Die Forschung zeigt bei allen Förderfaktoren einen Zusammenhang mit Selbstregulation:

  • Wer beispielsweise gestresst ist oder depressiv, hat verringerte Kapazitäten der Selbstregulation und denkt weniger langfristig.
  • Eine soziale Einbettung ist nicht nur förderlich für gesundes Verhalten, weil sie psychische Gesundheit fördert und damit eben Stress oder Depressivität vorbeugt. Eine Studie von Wendy Wood und Kollegen fand auch, dass wir in Gegenwart anderer Menschen mehr Aufmerksamkeit auf unser Verhalten richten, also weniger automatisiert handeln. Wir reflektieren unser Verhalten besser und stimmen es mit unseren Idealen ab, wenn das Verhalten auch von anderen wahrgenommen wird.
  • Geldsorgen wirken sich einerseits negativ auf mentale Gesundheit aus. Andererseits sind diese Sorgen mental sehr ressourcenintensiv, weshalb Menschen nicht auch noch ihr Verhalten reflektieren und langfristig planen können. Die durch akute Geldsorgen verursachte kognitive Einschränkung ist vergleichbar mit der Wirkung einer schlaflosen Nacht oder einer Reduktion von ca. 13 IQ-Punkten.
  • Bildung hängt mit der Fähigkeit der Selbstregulierung zusammen, wobei einerseits Menschen, die ihr Verhalten besser kontrollieren können, mehr akademischen Erfolg haben, andererseits aber auch die Fähigkeit der Selbstreflektion durch Bildung verstärkt wird. So ist die Fähigkeit der Selbstreflektion auch etwa Teil des Lehrplans 21.
  • Die Fähigkeit der Selbstregulation nimmt mit zunehmendem Alter ebenfalls zu, wobei sie nach dem 60. Lebensjahr auch wieder abnehmen kann. Gleichzeitig haben jüngere Menschen weniger stabile Gewohnheiten, weil sich ihre Lebenswelt noch in dauernder Veränderung befindet.
  • Der Zusammenhang zwischen Geschlecht und Selbstregulierung ist nicht eindeutig. Zwar können Frauen von Stressoren mental stärker vereinnahmt werden. Insgesamt zeigen Frauen aber mehr Selbstdisziplin. Das passt auch zum Befund, dass zwar Frauen mehr durch die Pandemie gestresst waren, dies jedoch nicht zu einer Zunahme ungesunder Verhaltensweisen führte.

Was bedeutet das nun, dass Selbstregulation ein wichtiger Faktor für die Änderung unseres Verhaltens ist? Lässt sich diese fördern und erlernen? Erfahren Sie mehr in der GDI-Studie «Prävention im Umbruch - Stabile Routinen in instabilen Zeiten».

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