Herkunft oder Zukunft – was prägt mehr?

Wer die Zukunft neu gestalten will, muss sich auch mit der Herkunft befassen. GDI-Forschungsleiterin Karin Frick sprach mit dem Kundenmagazin der CSS-Versicherung über Innovationen und die Aufgabe der Zukunftsforschung.

Zukunft Kopf vor Lichtkreis

Für ihr Kundenmagazin «CSS und Sie?» ludt die CSS unterschiedliche Gäste zu einer Gesprächsrunde über «Herkunft und Zukunft» ein. Neben GDI-Forschungsleiterin Karin Frick waren das ein Landwirt, eine Biomechanikerin und Start-up-Gründerin, die Co-Leiterin eines Restaurants und einer Herberge und ein Innovationsexperte. Hier lesen Sie einen Auszug des Gesprächs:

CSS: Welche Rolle spielen Traditionen und Innovation für uns Menschen, Frau Frick?

Karin Frick: Tradition und Innovation sind heute primär Marketingbegriffe. Gerade wenn wir es im Zusammenhang mit Essen anschauen. Die Lebensmittelindustrie ist hochindustriell und technisch fortgeschritten. Wir Konsumenten haben dagegen romantische Bedürfnisse.

CSS: Was ist denn der Motor einer Idee oder Innovation?

Karin Frick: Zugespitzt gibt es zwei Treiber: Einer ist der Leidensdruck. Also ein Problem, das man mit alten Vorgehensweisen, mit alten Produkten nicht mehr lösen kann. Der zweite ist die Perspektive, dass irgendjemand sieht, es gibt einen besseren Weg, um ein Problem zu lösen. Was dann verbunden ist mit einem potenziellen Gewinn, wenn man der Erste ist, der dies realisiert.

CSS: Es ist also durchaus verständlich, dass eine Versicherung jetzt in den Bereich Innovation geht, weil sich da neue Felder öffnen?

Karin Frick: Absolut. Und das gilt nicht nur für Versicherungen, sondern für jede Art von Anbietern. Mit der Digitalisierung können im Prinzip alle Geschäfte neu strukturiert werden. Zum Beispiel beim Auto: Man kann ein anderes Auto mit einem Elektroantrieb machen. Viel stärkere Wirkung auf das ganze System hat aber das Unternehmen Uber, das einfach eine neue Dienstleistung anbietet. Da strukturieren sich Märkte neu und anders. Das passiert jetzt in hohem Masse im gesamten Gesundheitsbereich. Da werden auch mit neuen Verbindungen und neuen Beziehungen plötzlich neue Möglichkeiten geschaffen, um neue Dienstleistungen zu erbringen.

CSS: Jetzt möchte ich gerne noch in die Zukunft schauen. Frau Frick, haben Sie sich eigentlich schon einmal geirrt in der Zukunftsprognose?

Karin Frick: Wer Zukunftsprognosen macht, muss spekulieren. Und wenn man spekuliert, kann man nie 100 Prozent richtig liegen. Das, was war, kennt man. Doch es mangelt an Vorstellungen, was kommen könnte und wie es denn anders sein könnte. Wir sehen die Aufgabe der Zukunftsforschung darin, das Vorstellungsvermögen zu erweitern. Es geht nicht unbedingt um die Treffergenauigkeit. Denn wir sagen nicht bestimmte Ereignisse voraus, sondern wir zeigen die Möglichkeiten auf, die offen sind.

Lesen Sie hier das ganze Gespräch.

 

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