Future Skills: Das Netto-Null-Szenario

Eine Welt im Überfluss, in der ihre Bewohner dennoch verzichten müssen, um den Planeten zu retten. Das ist ein Zukunftsszenario der GDI-Studie «Future Skills».

Der nachfolgende Text basiert auf einem Auszug aus der GDI-Studie «Future Skills», die Sie über unsere Website beziehen können.

Wie sieht das Jahr 2050 aus? Was wird sich verändern? Welche Herausforderungen müssen gemeistert werden? Das Gottlieb Duttweiler Institut entwirft mit der Studie «Future Skills» mehrere mögliche Zukunftsszenarien für 2050 und beschreibt, was Menschen zukünftig können müssen.

Das Netto-Null-Szenario beschreibt eine Welt, in der Überfluss herrscht. Materiell mangelt es den meisten Menschen an nichts. Die Komplexität der Gesellschaft wird aber bewusst reduziert, um mit ökologischen Problemen, insbesondere dem Klimawandel, aber auch mit einer schwindenden Biodiversität umzugehen. Die Menschheit muss klimaneutral werden. Aktuell bestehende Freiheiten, vor allem im Hinblick auf Konsum, sind in dieser Zukunft deshalb eingeschränkt. Diese Einschränkungen basieren auf internationalen Abmachungen, die in einzelnen Ländern unterschiedlich umgesetztwerden. Mancherorts partizipativ, andernorts eher diktatorisch.

In mancherlei Hinsicht gleicht die Netto-Null-Welt im Jahr 2050 dem Kollaps-Szenario. Der internationale Warenfluss ist deutlich reduziert, viele Annehmlichkeiten aus dem Jahr 2020 existieren nicht mehr. Was im Kollaps-Szenario aber aus einem Sachzwang heraus geschieht, ist im Netto-Null-Szenario eine bewusste gesellschaftliche Entscheidung. Insgesamt ist die Welt lokaler und dezentraler geworden. Menschen bewegen sich mit Fahrrädern oder öffentlichem Verkehr. «Home-Office», «Co-Working-Space» und Telekonferenz haben das Pendeln ins entfernte Büros ersetzt. Flüge sind selten und auch der motorisierte Individualverkehr existiert nur noch in geringem Masse. Der Verkehr ist elektrifiziert. Diejenigen Autos, die es noch gibt, werden geteilt.

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Energie wird vor allem aus Sonne und Wind gewonnen. Nachbarschaften teilen sich Sonnenkollektoren und Photovoltaik-Panels. Ein smartes Netzwerk koordiniert die daraus gewonnene Energie. Bei Überschüssen wird die Energie zur Produktion von Wasserstoff verwendet oder in Quartier-Batterien gespeichert. Bei Engpässen werden alle aufgeladenen Geräte – von E-Bikes über Computer bis hin zu Drohnen – gleichermassen angezapft und auch der Wasserstoff wieder in Energie umgewandelt. Fossile Brennstoffe wie Öl werden noch geringfügig gefördert; sie werden allerdings nicht mehr in Motoren verbrannt, sondern nur noch für wichtige Dinge wie die Herstellung von Medikamenten verwendet.

Die Welt im Netto-Null-Szenario muss die CO2- Emissionen auf null senken. Welche Fertigkeiten werden in dieser möglichen Zukunft gebraucht?

Emotionale Stabilität & praktische Fähigkeiten
Wetterextreme sind viel häufiger. Dafür muss man mit Stress umgehen können. Wenn Infrastrukturen wie Heizung oder Frischwasserversorgung ausfallen, tragen Survival-Skills dazu bei, die Krise kurzfristig schadlos zu überstehen. Dank handwerklicher Fähigkeiten können durch Unwetter verursachte Schäden selbst repariert werden. Gärtnerische Fähigkeiten sind eine Voraussetzung dafür, sich notfalls auch selbst zu ernähren.

Problemverständnis & Wissensverarbeitung
Um über Massnahmen gegen den Klimawandel mitzureden, ist ein vertieftes Problemverständnis notwendig. Dazu gehören ökologische und volkswirtschaftliche Kenntnisse. Wie hängen Wirtschaftswachstum und Emissionen zusammen? Was kann über den Preis geregelt werden? Was passiert, wenn die letzten Gletscher in den Alpen verschwinden? Um sein Wissen aktuell zu halten, gilt es, komplexe und im Überfluss vorhandene Informationen verarbeiten zu können, Statistiken zu verstehen, wissenschaftliches Vorgehen nachvollziehen und die Glaubwürdigkeit von Medieninformationen einschätzen zu können.

Geteilte Zukunftsverantwortung
Das Problemverständnis allein nützt wenig. Es bedarf auch der Bereitschaft, sich für die (zukünftige) Gemeinschaft zu engagieren, auch wenn das nur bedeuten sollte, auf Dinge zu verzichten. Man muss in längeren Zeiträumen denken, also sich etwa vorstellen, wie die Welt in 100 oder 200 Jahren aussieht, und gleichzeitig eine Verantwortung gegenüber den zukünftigen Generationen empfinden, die dann leben werden. Und schlussendlich ist Vertrauen notwendig, dass andere Menschen dieses Problembewusstsein und die Bereitschaft, sich selbst einzuschränken, auch teilen.

Neben dem Netto-Null-Szenario gibt es noch weitere Szenarien, die uns auf verschiedene mögliche Zukünfte vorbereiten. Was müssen wir zukünftig vielleicht noch können müssen? Laden Sie «Future Skills» jetzt kostenfrei herunter!