9. Europäischer Trendtag

9. Europäischer Trendtag

BIG DATA – DEEP EMOTIONS

BIG DATA – DEEP EMOTIONS

9. Europäischer Trendtag, gemeinsam mit dem 17. Deutschen Trendtag

Das Thema Daten im Netz ist hierzulande noch eher negativ besetzt. Phishing, gestohlene Bankdaten-CDs, Abschaffung der Privatsphäre durch soziale Medien – die Bandbreite der befürchteten Bedrohungen ist breit.

Dass die Kundinnen und Bürger von der Datenrevolution auch profitieren, das zeigten die Referentinnen und Referenten am 9. Europäischen Trendtag vom 13. März am GDI. Die Konferenz trug den Titel «Big Data – Deep Emotions», und die Relevanz des Themas fasste Peter Wippermann vom Hamburger Trendbüro so zusammen: «Was 2004 Social Media und 2008 Cloud Computing war, das ist heute Big Data.»

Denn wer die immensen Mengen an Daten, die Menschen, Dienste und Maschinen ständig produzieren, intelligent analysiert und visuell aufbereitet, der kann damit neue Dienstleistungen für Konsumenten entwickeln. Gleich zu Beginn stellte Karin Vey von IBM den Supercomputer Watson vor, der dank intelligenter Aufbereitung medizinischer Daten dereinst im Gesundheitswesen einsetzbar sein könnte. Nicht als Ersatz für Ärzte, wie Vey betonte, sondern als smarter Assistent – wie eben Doctor Watson bei Sherlock Holmes. Noch sei es aber ein weiter Weg dahin mit vielen kleinen Schritten, schloss Wey.

Auch die Citibank setzt auf schrittweise Big-Data-Innovation. Michael Wexler machte klar, dass Projekte eher Erfolg haben, wenn man nicht auf Anhieb den ganz grossen Wurf landen wolle: «Als Sozialpsychologe sage ich, dass Big Data das grösste Psychologielabor ist, das je erfunden wurde». Auf die besondere Bedeutung es Datenschutzes im Bankenkontext wies Wexler schon im Vorfeld der Veranstaltung hin: «Damit Kunden einem Unternehmen vertrauen, müssen sie verstehen, welche Daten es sammelt und den Wert erkennen, der daraus für Sie entsteht», sagte Wexler in einem Interview.

Dass Big Data auch weniger heikle, aber nicht weniger faszinierende Services hervorbringt, bewies Suran Goonatilake. Der von der Queen für sein Unternehmertum geadelte Gründer von Bodymetrics stellte seinen Body-Scanner vor, der digitale Körper-Daten mit jenen von Kleidern abgleicht. Bodymetrics soll, so Goonatilake, bereits von zuhause aus per Webcam einsetzbar sein und den Online-Kleiderkauf revolutionieren, nicht zuletzt dank der Visualisierungen von Körper-Daten.

Die Bedeutung der Visualisierung von Daten strich auch Valerie Casey heraus. Die Designerin warnte aber vor psychologischen Wahrnehmungs-Gewohnheiten, die eine intelligente Analyse verfälschen. Dass die Big-Data-Forschung oft unter einer Verwechslung von Korrelation und Kausalität litten, erwähnten mehrere Referenten: «80% der Forschungsresultate sind deshalb falsch», sagte Casey. Richtig angewandt, erhöhe Big Data aber die Voraussehbarkeit von Kundenverhalten. «Und wenn Sie Verhalten voraussehen können, können Sie es auch verändern», so Casey.

Die Gesellschaft zum Positiven verändern – das ist das Ziel von Secondmuse-Mitgründerin Ruha Reyhani. In ihren Projekten schliessen sich Hacker rund um die Welt in Freiwilligenarbeit zusammen, um mithilfe von Open Data Lösungen für soziale und ökonomische Probleme anzubieten. Dass Secondmuse mehr als eine Träumerei ist, zeigt die Lister der Interessenten, die Google und Microsoft ebenso umfasst wie die Vereinten Nationen und das Weisse Haus.

Dass dank öffentlichen Daten auch Bürgerinnen und Bürger von der Digitalisierung profitieren, zeigte Job Spierings von der Waag Society. Er beschrieb, wie ein intelligentes GPS-Tracking das urbane Stossverkehrschaos lösen könnte. In eine ähnliche Richtung argumentierte seine Ko-Referentin Hanna Niemi-Hugaerts, die ein Kommunikationssystem vorstellte, mit dem die Bürger Helsinkis ihrer Stadtverwaltung digitales Feedback bei Zugsverspätungen, Belagschäden oder andern Infrastruktur-Problemen geben können.

Beinahe alle Referenten betonten, dass Daten allein noch nichts wert seien. Zentral sei vielmehr eine sinnvolle Interpretation und Darstellung. Norbert Bolz skizzierte einen «Traumzustand bei Big Data, wenn keine Informationen mehr sinnlos sind, sondern alle nützlich». Bis dahin werden «Predictive analyctics» aber über den Erfolg von Unternehmen entscheiden, so Peter Wippermann.

Suresh Pillai von eBay pflichtete dem bei und strich vor allem das Potenzial heraus: «Dank Big Data setzen wir unsere Marketing-Gelder effizienter ein» so der Leiter Web Analytics der Auktions-Plattform mit der weltweit zweitgrössten Datensammlung.

Doch dieser Erfolg hänge nicht primär von neuen Produkten ab, fand Michael Schrage vom MIT in einem dynamischen Vortrag: «Innovation heisst nicht, ein Produkt zu verbessern, sondern durch Produkte und Services die Fähigkeiten seiner Kunden zu vergrössern.» Die Fähigkeiten der Kunden zu steigern, das müsse auch das Ziel von Big Data sein.

Die Dienstleistungen und Produkte, die an diesem Trendtag vorgestellt wurden, gaben Einblicke in solche smarte Datennutzungen. GDI-CEO und Gastgeber David Bosshart brachte den Konsens im GDI auf den Punkt: «Wer am besten mit der immer gigantischen Datenflut umgehen kann, gewinnt. Das gilt für Unternehmen wie Kunden».

Programm

Mittwoch, 13. März 2013, 09.00 – 17.00 Uhr

08.30
Willkommens-Kaffee

09.00
Karin Vey, IBM Research (CH)
Watson - How Artificial Intelligence Leads Us to Better Decisions

09.15
David Bosshart (CH), GDI Gottlieb Duttweiler Institute
Big Data, Simple Minds. Die neue Erotik der Märkte

Peter Wippermann (D), Trendbüro
Wenn Netzwerke mitdenken: Die Zukunft der personalisierten Dienste

10.30
Pause

11.00
Valerie Casey (US), Designers Accord, Necessary Projects
How to Use Data to Redesign Human Behavior

Hanna Niemi-Hugaerts (FIN), Forum Virium; Job Spierings (NL), Waag Society
Better Cities: Improve Urban Life Through Digital Feedback

Ruha Reyhani (D/US), Second Muse
Enabling Collaborations: A Process for Sustainable Innovation

12.15 – 13.30
Mittagessen

13.30
Michael Schrage (US), MIT Sloan School's Center for Digital Business
True Innovation: Don't Transform Your Products, Transform Your Customers

Suran Goonatilake (US/UK), Bodymetrics
The Perfect Fit: How Body-Scanning is Transforming Fashion Retail

Sarah Lewington, Michelle Hughes (UK), University of Nottingham
My Data, Myself: How Self-tracking Reveals the Real Consumer

15.00 – 15.30
Pause

15.30
Suresh Pillai (CH), ebay Europe
Big Data in Marketing - Information at Different Scales

Michael Wexler (US), Citibank
Banking mit Big Data: Wie Finanzdienstleistungen neu erfunden werden

Norbert Bolz (D), Technische Universität Berlin
Leidenschaft und Statistik: Menschliche Urteilskraft in der Welt der Algorithmen

17.00
Fazit
David Bosshart (CH), GDI Gottlieb Duttweiler Institute

Ab 17.15
Shuttle zum Bahnhof Thalwil

Referenten
Norbert Bolz

Norbert Bolz

Professor für Medienwissenschaft an der Technischen Universität Berlin, Zeitgeistphilosoph und Trendanalytiker. Bolz ist ein wichtiger Denker über die kulturelle Entwicklung und Autor zahlreicher Publikationen zu Medien, Marketing und Kommunikation.

 

Peter Wippermann

Peter Wippermann

Gründer des Trendbüros in Hamburg. Wippermann war Professor für Kommunikationsdesign an der Folkwang Universität der Künste, Essen, Spezialist für trendgestützte Markenführung und ist Autor zahlreicher Publikationen.

Michael Schrage

Michael Schrage

Stipendiat der MIT Sloan School’s Initiative on the Digital Economy. Michael Schrage erforscht, wie Modelle und Simulationen in Organisationen die Zusammenarbeit bei der Suche nach Innovationen verändern. Daneben ist er Autor verschiedener Fachbücher und als Berater für diverse Unternehmen tätig. Zu seinen Kunden zählen unter anderen Prudential, Microsoft, Amazon, Mars und Google.

Valerie Casey

Valerie Casey

«Design-Meisterin» (Fast Company), «Heldin der Umwelt» (Times): Casey ist eine global anerkannte Designerin. Nach Stationen bei Agenturen wie Ideo und Frog gründete sie das internationale Netzwerk Designers Accord. Die Expertin berät zu digitalen Markenstrategien und Sustainable Design.

Hanna Niemi-Hugaerts

Hanna Niemi-Hugaerts

Das Forum Virium Helsinki entwickelt digitale Dienstleistungen für private und öffentliche Unternehmen. Niemi-Hugaerts leitet ein Pilotprojekt, in dem die Bürger Helsinkis der Stadt digital Feedback zur Infrastruktur geben – wie zu fehlenden Straßenschildern oder schlecht beleuchteten Fahrradwegen.

Job Spierings

Job Spierings

ist Projektmanager bei Waag Society, einem Amsterdamer Think-Tank für soziale Innovation, Design und Nutzerforschung. Er leitet ein Projekt zur Messung und Lenkung von Verkehrsströmen, in dem Verkehrsteilnehmer mit dem System und auch untereinander kommunizieren können.

Suran Goonatilake

Suran Goonatilake

Gründer von Bodymetrics, dem Anbieter einer Body-Scanning-Technologie, die das Kleider-Shopping revolutioniert. Mitgründer von Searchspace, einer Big-Data-Firma, die von Warburg Pincus gekauft wurde. Für seine Verdienste um das Unternehmertum wurde Goonatilake von der Queen geehrt.

Michelle Hughes

Michelle Hughes

Expertin für Konsumverhalten und Dozentin für Fashion Communication and Promotion. Als Beraterin erforschte sie für Unilever, was die Interpretation von Userdaten für Markenimage und Konsumentenentscheidungen bedeutet. Zu ihren Kunden gehören Interflora, Headworx und BBC World.

Sarah Lewington

Sarah Lewington

Dozentin für Fashion Communication and Promotion. Sie ist Expertin für Empathic Design, eine userzentrierte Designmethode, die das Userverhalten als Ausgangspunkt für die Designentwicklung nimmt. Sie ist Mitglied der Future Factory. Zu ihren Kunden gehören Paul Smith, L’Oréal und die Sunday Times Style.

Suresh Pillai

Suresh Pillai

leitet bei eBay das europäische Analytics-Team für Webmarketing. Sein Arbeitsfeld umfasst Strategien wie Paid Search, Display Advertising und Social Marketing. Pillai ist ein Experte für die Analyse von Kundendaten und ihre Nutzung.

Ruha Reyhani

Ruha Reyhani

ist zuständig für Strategie, Innovationsdesign und digitale Kommunikation bei Secondmuse, einem Beratungsbüro für Kollaboration in Unternehmen. Zu den Kunden des Büros gehören Google, NASA und Microsoft, zu seinen Unterstützern UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und US-Aussenministerin Hillary Clinton.

Karin Vey

Karin Vey

ist Executive Briefing Manager für Führung und Hochschulbildung am Industry Solutions Lab (ISL) der IBM in Rüschlikon. Das ISL ist das Interface für IBM Research und dessen Experten auf der ganzen Welt. Vey unterrichtet Wissensmanagement an der Zeppelin Universität Friedrichshafen.

Michael Wexler

Michael Wexler

Wexler arbeitet seit 15 Jahren als Web-Daten-Analyst für Kunden wie Microsoft, Yahoo oder Start-ups wie e-Dialog. Der Sozialpsychologe weiss, wie Unternehmen digitale Daten gewinnbringend nutzen können. Bei der Citibank verantwortet Wexler heute das US-Geschäft im Bereich Global Digital Insights.

Informationen

Datum
13. März 2013

Preise
Normalpreis: 1'200.- CHF / Person

Die Teilnahmegebühr ist im Voraus zu bezahlen. Im Preis inbegriffen sind alle Speisen und Getränke (inkl. MWSt). Kurzfristige Anmeldungen (später als zwei Wochen vor dem Anlass) können nur mit Kreditkarte bezahlt werden.

Veranstaltungsort
Langhaldenstrasse 21
8803 Rüschlikon

Weiteres
Sprache
Deutsch/Englisch (Simultanübersetzung)

Programmänderungen
Änderungen bleiben vorbehalten. Sollte ein Anlass nicht stattfinden, wird die Teilnahmegebühr zurückerstattet. Weitere Ansprüche können nicht geltend gemacht werden.

Abmeldung
Sollten Sie verhindert sein, melden Sie sich bitte schriftlich ab. Bis dreissig Tage vor der Veranstaltung erhalten Sie die Teilnahmegebühr zurück. Danach und bis zu fünf vollen Arbeitstagen vor dem Anlass stellen wir 75% in Rechnung, bei späteren Absagen verrechnen wir den vollen Betrag. EinE ErsatzteilnehmerIn ist in jedem Fall willkommen.

Hotelreservation
Damit Sie von den Spezialpreisen profitieren, nutzen Sie für die Zimmerbuchung bitte die nachstehenden Emailadressen und erwähnen bei der Buchung folgenden Code: ETD 2013
Hotel Belvoir, Rüschlikon info(at)hotel-belvoir.ch
Hotel Sedartis, Thalwil info(at)sedartis.ch
Hotel Alexander, Thalwil info(at)alexander-am-zuerichsee.ch

Transport
Zwischen dem GDI Gottlieb Duttweiler Institute und den Hotels Sedartis und Alexander in Thalwil sowie dem Hotel Belvoir in Rüschlikon steht ein kostenloser Transfer-Service zur Verfügung.