Neue GDI-Studie: Apotheke 2030 – Neue Modelle für ein Traditionsgeschäft

Rüschlikon, 10. Dezember 2020 – Eine Apotheke ist ein Laden, der Medikamente verkauft. Dies zumindest die landläufige Meinung der Kundinnen und Kunden. Ein Irrtum, wie eine neue Studie des Gottlieb Duttweiler Instituts (GDI) zeigt. Die Apotheke der Zukunft wird in erster Linie ein sehr gut vernetzter Gesundheitsdienstleister sein.

Der Gesundheitsmarkt und damit das Geschäftsfeld der Apotheken verändern sich stark. Neue Technologien generieren immer bessere Daten, internationale Startups sorgen mit innovativen Geschäftsmodellen für neue Konkurrenz, der Online-Handel gewinnt an Bedeutung. Der Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen wird einfacher, Kunden möchten Convenience und rasche Lösungen. Aber auch individualisierte Services.

In einer Marktanalyse hat das GDI das Angebot von Apotheken verglichen mit dem von Startups und von Retail-Health, also von grossen Detailhändlern mit Gesundheitsangeboten. Vier Bausteine für die Apotheke 2030 wurden entwickelt:

  1. Digitale Plattform: Optimierte Verknüpfung von Anbietern und Kundinnen und primäre Anlaufstelle für alle Gesundheitsfragen
  2. Retail-Health: Skalierung eher einfacher und weit verbreiteter Gesundheitsbedürfnisse
  3. Services: Bündelung von Dienstleistungen zu individuellen Angebotspaketen
  4. Spezialisierung: Nischenfokus auf einzelne Diagnosen oder bestimmte Demografien

Diese Bausteine können nebeneinander existieren, und sie lassen sich teilweise sogar kombinieren. Entscheidend ist aber, dass sich die Apotheke 2030 nicht mehr als Teil einer Wertschöpfungskette wird denken lassen. Megatrends wie die Digitalisierung oder die Globalisierung brechen solche Ketten auf. Die Komponenten werden neu angeordnet und zu einem Wertschöpfungsnetzwerk verknüpft. Nach einer Phase vorwiegend horizontaler Konsolidierung im Gesundheitswesen findet jetzt eine vertikale Konsolidierung und eine effiziente Bündelung von Dienstleistungen statt.

Für die Apotheke 2030 wird entscheidend sein, welche Position sie in diesem Netzwerk einnimmt und mit welchen anderen Playern sie verbunden ist. Noch liegt der Fokus zu stark auf Fläche und Lage, oft fehlt das Bewusstsein für die bereits heute grosse Abhängigkeit von der virtuellen Welt. Doch Vernetzung wird ebenso wichtig sein wie physische Standorte. Das Konzept der Apotheke 2030 muss denn auch mehrschichtig verstanden werden. Diese Schichten können Teil der physischen Welt sein (Infrastruktur, Menschen, Fahrzeuge, Medikamente) oder nur virtuell existieren (Kundendaten, Online-Plattformen, Gesundheitsdaten, Internet of Things).

Die meisten dieser Schichten gibt es schon heute. Jetzt müssen sie effektiv und effizient miteinander verknüpft werden, um reale Bedürfnisse von realen Menschen mit digitalen, gebündelten und vernetzten Dienstleistungen zusammenzuführen. Beziehungen zu und Kooperationen mit den richtigen Partnern werden zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil einer mehrschichtigen, verknüpften, standortunabhängigen und vernetzten Apotheke 2030.

Die GDI-Studie «Apotheke 2030 – Neue Modelle für ein Traditionsgeschäft» entstand im Auftrag und in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Apothekerverband pharmaSuisse. Die Studie dient dem Verband als Basis für eine konkrete Vision der Apotheke 2030.

Die Studie ist online in Deutsch und Französisch als Download erhältlich: gdi.ch/apotheke2030. Bei Fragen oder Interview-Wünschen stehen wir gerne zur Verfügung.

Medienkontakte

GDI Gottlieb Duttweiler Institute
Alain Egli, Head Communications
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Schweizerischer Apothekerverband pharmaSuisse
Stephanie Balliana, Leiterin Medienstelle
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