Wikipedia-Analyse: Die Vernetzung der G20

Angela Merkel und Emmanuel Macron im Zentrum. Donald Trump und Kanadas Justin Trudeau auf Aussenpositionen. Und auf halbem Weg zwischen Trump und Merkel, fast wie ein Brückenbauer: Vladimir Putin. Dieses Bild ergibt sich, wenn man die Staats- und Regierungschefs des G20-Gipfels von einer Vernetzungs-Software analysieren lässt.

Das Netzwerk-Programm Condor, entwickelt vom MIT-Forscher Peter Gloor, hat in diesem Fall alle Verbindungen zwischen und rund um die G20-Teilnehmer ermittelt, die sich aus dem gesamten Text der englischen Wikipedia ergeben (weshalb auch die Teilnehmer aus englischsprachigen Ländern besonders viel Raum einnehmen).

Chinas Staatschef Xi Jinping ist mit seiner Strategie, China aus einer Aussenseiterrolle zu einem Reich der Mitte des globalen Diskurses zu machen, offenbar gut unterwegs, aber noch nicht am Ziel: Donald Trump ist deutlich weiter im Aussenbereich platziert als Xi Jinping, aber die Plätze im Zentrum sind noch den Europäern, inklusive Putin, vorbehalten. Einzige Ausnahme: Theresa May, die Grossbritannien nicht nur aus der EU, sondern anscheinend auch aus der Globalisierung heraus führt.

G20 Wikipedia Netzwerk GDI

Der Mittelplatz im G20-Vernetzungsbild ist der Gastgeberin vorbehalten, also Angela Merkel. Wenn man eine Positionierung zwischen zwei der Personen als eine Vermittler-Position versteht, hätte sie für ihre zwei härtesten aussenpolitischen Kontrahenten, Trump und Erdogan, jeweils einen kaum einfacheren Vermittler-Kandidaten: Zwischen Merkel und Trump steht Vadimir Putin – und zwischen Merkel und Erdogan der König von Saudi-Arabien.

Wie nahe sich Trump und Putin stehen, zeigt auch eine andere Analyse – mit dem ebenfalls von Peter Gloor entwickelten Tribefinder. Diese Software schliesst aus den Texten eines Twitter-Accounts, inwieweit der Account-Inhaber einer von drei Tribes angehört: den (links-ökologischen, hier grünen) «Treehuggern», den (technokratischen, hier blauen) «Nerds» oder den (rechts-nationalistischen, hier gelben) «Fatherlandern». Den grössten Fatherlander-Anteil unter den analysierten G20-Accounts (bislang nur für englischsprachige Accounts möglich) hat Donald Trump, auf Platz 2 folgt der englische Twitter-Account von Vladimir Putin. Ganz am anderen Ende der Tribe-Skala steht Justin Trudeau mit einem sehr un-nationalistischen und entsprechend stärker ökologischem Ergebnis. Und Theresa May landet irgendwo dazwischen.

Tribefinder G20 Twitter GDI

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