Wie Daten und Simulationen die Politik verändern

15.08.2018
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Im zweiten Teil seiner Sommertour widmet sich GDI-Researcher Zhan Li der Frage, wie Daten und Simulationsmöglichkeiten unsere Vorstellung einerseits der Stadt der Zukunft und andererseits der bürgerlichen Partizipation prägen. Dazu besuchte er diesen Sommer verschiedene Konferenzen und hat sich mit führenden Zukunftsforschern ausgetauscht.

Das Denken in die Zukunft ist geprägt vom aktuellen Verständnis der Welt. Es beinhaltet also immer auch Fehler und Erkenntnisse aus der Gegenwart. Ein Beispiel dafür ist die Geschichte der Minnesota Experimental City (MXC), zu welcher am diesjährigen Brain Bar Festival der Dokumentarfilm «The Experimental City» gezeigt wurde. Bei der MXC handelt es sich um eine in den 1960er und 1970er Jahren geplante Stadt, die mitten in der Wüste Minnesotas hätte gebaut werden sollen. Futuristisch, grün, selbstversorgend und mit einem Computer in jedem Haus – das war die Vision. Die Grundidee dazu lieferte der Futurist Athelstan Spilhaus. Ihm gelang es, ausreichend politischen Konsens zu schaffen, um die Finanzierung einer Planungsbehörde zu sichern. 1973 musste die Vision der MXC dennoch aufgegeben werden. Grund dafür war der erste Ölpreisschock und die darauffolgende Wirtschaftskrise. Das Projekt blieb eine Utopie. Zu sehr war die Planung der MXC an einer idealisierten Top-Down-Politik und neuen Technologien orientiert.Auch heute richten sich gesellschaftliche Zukunftsutopien an den Potentialen der Technologie aus. Allerdings basieren Utopien heute eher auf Bottom-Up- statt Top-Down-Prinzipien oder sind partizipativ gedacht. Aber auch solche neuen Konzepte, die mit mehr Fingerspitzengefühl geplant werden und / oder auf dem demokratischem Mitspracherecht der Bevölkerung beruhen, weisen Mängel auf. Das zeigen zum Beispiel die Untersuchungen von Jeremy Heimans, der mit seinem Unternehmen Purpose Soziale Bewegungen unterstützt und sich dabei mit gesellschaftlichen Dynamiken befasst. Über seine Erkenntnisse hat er am diesjährigen FutureFest in London gesporchen:

Was die gesellschaftlichen Daten und Simulationen für unsere Zukunftsvisionen bedeuten, wissen die beiden Vordenker Patrick Atwater und Francis Tseng. Mit ihrer Forschung helfen sie, die Debatte darum verständlicher zu machen. Patrick Atwater ist Wissenschaftler und Innovationsspezialist. Er ist Mitglied der Bay Area Refactorings / Ribbonfarm-Community und Gründer der Non-Profit-Organisation Advanced Research in Government Operations (ARGO). Diese soll städtischen Behörden und politischen Entscheidungsträgern aber auch Bürgerinnen und Bürger das Potential gesellschaftlicher Daten verständlicher machen. Atwater hat mit dem California Data Collaborative beispielsweise im Bereich der Wasserversorgung Pionierarbeit geleistet. Über seine Arbeit hat er im Interview mit Zhan Li erzählt:

Als Simulationsberater erstellt Francis Tseng Wirtschafts- und Infrastruktursimulationen zur Unterstützung der Politik, aber auch als intellektuelle und künstlerische Gedankenexperimente, zum Beispiel mit Humans of Simulated New York. Ausserdem hat Tseng mit seinem Online-Game «The Founder» für Aufsehen gesorgt. In diesem werden die boomenden Silicon-Valley-Startups auf die Schippe genommen. Mehr zu seinen Ideen und Simulationen erfahren Sie im Videointerview:

Zhan Li ist Associate Senior Researcher am Gottlieb Duttweiler Institut. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf der Zukunft der Globalisierung, Thought Leadership und Szenarioplanung.