«Wer auf den Preiswettbewerb setzt, geht unter»

18.07.2013

Sucharita Mulpuru ist Expertin für E-Commerce und Multichannel bei der
Beratungsfirma Forrester. Die IHT-Referentin sagt, wie Retailer die
Web-Economy meistern. Und wie nicht.

Frau Mulpuru, die Handelstagung, an der Sie referieren, sucht nach den Wachstumsmärkten von morgen. Aber müssen Unternehmen denn ständig weiterwachsen? Ist gut nicht gut genug?
Jedes Unternehmen muss verstehen, dass sein Kernprodukt jederzeit obsolet werden kann, darum muss es ständig das nächste Big Thing suchen. Google macht das mit seinen Google-X-Initiativen für selbständig fahrenden Autos, oder mit Google Glass. Kodak ist das beste Beispiel für ein Unternehmen, das sich nicht selber neu erfunden hat, und das Resultat ist eines, das kein CEO sich wünscht.

Als Expertin bei Forresters.com sprechen Sie im GDI über die Zukunft des Onlinehandles. Wie verändert die Web-Economy die Handelswelt?

Smarte Händler werten ihr Unternehmen durch das mobile Internet auf. Sie bieten ihren Kunden an Bezahlstationen an, an denen sie mit Mobilgeräten bezahlen können, sie benutzen das Netz für intelligente Lagerbewirtschaftung und für effektivere Ladengestaltung. Sie reduzieren Ausgaben für und Abfälle durch gedruckte Coupons und Werbung. Weniger smarte Händler werden weiter auf den Preiswettbewerb setzen mit der Angst leben, das Internet ruiniere ihr Geschäft. Diese Unternehmen werden untergehen.

Google hat einen stationären Laden eröffnet, über Amazon hört man ähnliche Gerüchte – ist offline der neue Wachstumsmarkt für Onlinehändler?
Die Mehrheit der Verkäufe findet weiterhin in physischen Läden statt und für die absehbare Zukunft wird das auch so bleiben. Jeder Schachzug von Google und Amazon schafft es zwar in die Medien, aber nicht jeder ist aber auch ein Game-Changer. Diese Unternehmen sind Labore für Experimente, von denen die meisten fehlschlagen. Ausser Apple haben Technologieunternehmen mit physischen Läden keinen Erfolg bei den Konsumenten.

Apple und Amazon mussten in letzter Zeit viel Kritik einstecken wegen der schlechten Arbeitsbedingungen in ihren Werkstätten. Haben solche Skandale einen Einfluss auf das Geschäft?
Offenbar nicht, im Gegenteil, Amazons Geschäft läuft weiterhin hervorragend. Konsumenten haben leider ein kurzes Gedächtnis und wechseln den Anbieter eher nicht, auch wenn der sich moralische Fehler leistet. In manchen Fällen führt der Druck auf Unternehmen zwar zu einer Änderung ihrer Praktiken, aber dieser Druck stammt meist von Regierungen oder Interessenvertretern und kaum von Kundinnen und Kunden.

Kurzum: Was werden die Teilnehmer der Handelstagung von Ihnen hören, das sie nirgendswo anders erfahren?
Ich hoffe, dass ich aufzeigen kann, wie das Internet weiterhin unseren Konsum verändern wird und was das für den Handel bedeutet. Ich glaube, die besten Jahre liegen noch vor uns. Ich versuche, diese Prognose mit einigen Beispielen zu belegen.