Vom Festangestellten zum Selbstangestellten

19.01.2017

Immer mehr Menschen arbeiten räumlich und zeitlich flexibel, weil sie es wollen oder weil sie es müssen. Die Vollzeitstelle sei ein Modell vergangener Tage, Projektarbeit werde zur Normalität, schreibt GDI-Forschungsleiterin Karin Frick.

Dies ist ein Auszug aus «Wir Kaufleute», dem Magazin des Kaufmännischen Verbands Zürich. Den vollständigen Artikel lesen Sie hier.

Die einst harte Grenze zwischen Arbeitszeit und Freizeit verschwimmt zusehends. Immer mehr Menschen sind «always on» und damit jederzeit und überall arbeitsfähig und -willig. Arbeit wird immer seltener in fixen Prozessen und immer häufiger in Projekten strukturiert. Die Mitarbeitenden springen von Arbeitsprojekt zu Arbeitsprojekt, in immer neuen Konstellationen und Teamzusammensetzungen, je nachdem wo ihre Kompetenz, ihr Wissen gebraucht wird.

Der Antrieb zur Veränderung kommt oft von neuen, kleinen, branchenfremden Playern und nicht von traditionellen Grossunternehmen. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie durch den innovativen Einsatz von Technologie überproportional wachsen und viel weniger und jüngere Mitarbeitende haben als die bisherigen Marktführer. Beispiele für Unternehmen, die ganze Branchen umkrempeln, sind Uber, das weltgrösste Taxiunternehmen ohne eigene Fahrzeuge, Facebook, das weltgrösste Medienunternehmen ohne eigene Inhalte, Alibaba, das wertvollste Handelsunternehmen der Welt ohne Waren und stationäre Läden, oder Airbnb, der weltgrösste Anbieter von Übernachtungsmöglichkeiten ohne eigene Immobilien.

Die Leute, die ihre Arbeitskraft auf diesen Plattformen anbieten, sind keine Angestellten, sondern Selbstständige. Sie bestimmen selber, wann und wie lange sie arbeiten. Allerdings oft unter prekären Bedingungen.

Die Transformation der Arbeitswelt steht erst am Anfang. Niemand weiss wirklich, wo längerfristig neue Jobs entstehen. Wenn die Digitalisierung die Spielregeln definiert, wird Innovation zum Programm. Und wenn Innovation zum Programm wird, muss auch Flexibilisierung Programm sein – für Arbeitgebende wie für Arbeitnehmende. Nimmt man die aktuellen Entwicklungen in der digitalen Ökonomie als Massstab, dann bedeutet Flexibilisierung primär, dass wir in Zukunft vermehrt befristet arbeiten, selbstständig und oft in verschiedenen Jobs gleichzeitig. In der Sharing- und On-Demand-Economy geht der Trend von Festangestellten zu Selbstangestellten. Die selbstständig Erwerbstätigen sind die am schnellsten wachsende Gruppe von Arbeitskräften und bestimmen damit zunehmend die Arbeitsverhältnisse.

Selbstständigkeit bringt für Hochqualifizierte mehr Freiheit, mehr Abwechslung, spannende Projekte und Kontakte, mehr Möglichkeiten, um sich zu finanzieren (mit Crowdfunding), zu lernen und sich weiterzuentwickeln (mit Online-Kursen), insgesamt mehr Selbstbestimmung und dadurch bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Für Gering- und Unqualifizierte bedeutet Selbstständigkeit hingegen meist weniger Sicherheit, mehr Fremdbestimmung durch Arbeit auf Abruf, Mehrfachbelastung durch verschiedene Mini-Jobs und mehr Unsicherheit durch unregelmässiges Einkommen.

Im zweiten Teil des Artikels stellt Karin Frick neue faire Arbeitsmodelle vor. Lesen Sie hier weiter.



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