Unser Wohlstand ist nicht in Stein gemeisselt

Technologie, Macht-Verschiebungen und soziale Megatrends: Globale Disruptionen rütteln an unserem Wohlstand. Wie er sich im Age of Less wandelt, erklären David Bosshart, Mathias Binswanger und Norbert Bolz im Januar am GDI.

Der Westen lebt zurzeit auf einem sehr hohen materiellen Niveau. Doch sein Wohlstand wird nicht für immer halten. Das wissen wir spätestens seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2007/08. Das verunsichert und wirft Fragen auf.

Zum Beispiel jene nach der globalen Konkurrenz. Dem erfolgsverwöhnten Westen stehen in Asien, Afrika und Südamerika hungrige und risikofreudige Mittelschichten gegenüber. Doch bedrohen uns die Emerging Nations wirklich? «Oder bauen wir nur neue Feindbilder auf?», fragt David Bosshart, Trendforscher und CEO des GDI Gottlieb Duttweiler Institute. Bosshart beantwortet diese und weitere Fragen nach der Zukunft unseres Wohlstandes am 15. Januar 2015 am GDI zusammen mit dem Ökonom Mathias Binswanger und Medienphilosophen Norbert Bolz.

Die gute Nachricht vorab: Weniger materieller Reichtum hat durchaus positive Folgen. Im Age of Less zeige die wachsende Sharing-Economy, so Bosshart, dass Besitz für die Menschen nicht mehr alles sei. Das Erleben von Sinnhaftigkeit im Konsum – eben durch Teilen – erlebe deshalb ein Comeback.

Viel brauche es daher nicht für den Wohlstand von morgen: «Wer sein Leben lokal, einfach, überschaubar, verständlich und familiär führen kann, für den relativieren sich viele andere Dinge.» Natürlich werde materieller Reichtum auch in Zukunft wichtig sein. «Doch wenn das Bedürfnis nach immer mehr Geld zum Selbstläufer wird, wie etwa in Russland oder China, bauen wir keine nachhaltigen Verhältnisse auf», sagt Bosshart. Dafür brauche es eben demokratische Strukturen: «Ohne Rechtssicherheit, Gewaltentrennung und Mehrheitsfähigkeit kann keine Wirtschaft existieren, von der die Gesellschaft profitieren kann», so Bosshart.  

Doch wie messen wir morgen überhaupt Wohlstand? «Das BIP ist nur beschränkt aussagekräftig», sagt Bosshart. «Die Glücksforschung kann ergänzende Hinweise geben. Auch die Verhaltensökonomie zeigt, wie wir unser Verhalten ohne grosse Einbussen ändern können », so der Leiter des GDI.  

Wie, das zeigt die Veranstaltung «Die Zukunft unseres Wohlstandes aus Sicht von Ökonomie, Philosophie und Trendforschung» mit Mathias Binswanger, Norbert Bolz und David Bosshart». Sie findet am Donnerstag, 15. Januar 2015, im GDI in Rüschlikon statt. Melden Sie sich an!