Transhumanismus oder der Traum vom Tech-Menschen

20.11.2014





Cyborgs, Gehirn-Backups auf dem Computer und ewiges Leben: Der Transhumanismus propagiert die Überwindung menschlicher Grenzen mithilfe der Technologie. Ted Chu erklärt Potenzial und Gefahren der posthumanen Idee am GDI-Trendtag 2015.

Vor zwanzig Jahren war die Idee eines Taschen-Gerätes, das unsere wichtigsten Daten versammelt und gleichzeitig als Agenda, Telefon und unerlässliche Alltagshilfe dient, kaum vorstellbar. Heute sind Smartphones global etabliert.

Als nächste potenzielle Disruption gelten Wearables, elektronische Geräte wie Armbänder oder Ringe, die unsere Körperdaten messen und uns zum Beispiel helfen sollen, unsere Gesundheit zu verbessern. Mit den Wearables hat die Technologie unsere Haut erreicht. Der nächste logische Schritt wäre die technologische Eroberung unseres Körper-Inneren. In der Medizin ist das bereits Tatsache, man denke an Prothesen oder Herzschrittmacher.

Der Fortschritt bringt aber auch Ziele ins Blickfeld, die über die klassische Medizin hinausgehen. Hier beginnt der Transhumanismus, eine Denkrichtung, die die Grenzen menschlicher Möglichkeiten durch den Einsatz von Technologie erweitern will. Die Bandbreite transhumanistischen Denkens reicht von bekannten Themen wie Organtransplantation und Cyborgs (biologische Lebewesen mit künstlichen Körperteilen wie der südafrikanische Sprinter Oscar Pistorius) bis hin zu Innovationen, die noch stark nach Science-Fiction klingen: Mind-Uploading, also das Kopieren eines Gehirn-Inhaltes in einem Computer, die Besiedlung fremder Planeten oder die Überwindung von Altern und Tod. Eine Liste der tranhumanen Projekte findet sich auf Wikipedia .

Der Transhumanismus löst Ängste aus, seine futuristische und fortschrittsoptimistische Haltung ruft Kritiker auf den Plan. Gleichzeitig gehört der Transhumanismus zu den spannendsten Philosophien, um über die Zukunft nachzudenken. Der Einfluss der Technologie auf die Verbesserung des menschlichen Lebens ist unbestritten: Ein Leben ohne High-Tech-Medizin und Internet ist heute undenkbar. Wer sich für die nächsten möglichen Disruptionen interessiert, kommt am Transhumanismus nicht vorbei.

Am 11. Europäischen Trendtag referiert Ted Chu über Potenzial und Gefahren dieser Denkrichtung. Sein Buch «Human Purpose and Transhuman Potential» ist eine Bestandsaufnahme des Transhumanismus. Chu argumentiert, die Menschheit sei weniger Ziel der Evolution, sondern eher ein Mittel zum Zweck, ihre eigenen evolutionären Nachfolger zu produzieren. Er thematisiert die Hybris, also die möglichen katastrophalen Folgen, die das menschliche «Gott-Spielen» mit sich bringt. Chu begrüsst aber ebenso die Möglichkeit der Technologie, die Biologie zu transzendieren und neuartige Lebensformen zu schaffen.