Sommertipps vom Think Tank: Marta Kwiatkowski empfiehlt

01.09.2016

Eine Anleitung zum ethischen Leben, Maschinen, die uns Entscheidungen abnehmen und Theorien, die Fortschritt verhindern. Dies sind die Leseempfehlungen der GDI-Forscherin Marta Kwiatkowski.

Peter Singer (2016): Effektiver Altruismus. Eine Anleitung zum ethischen Leben
Was ist besser: 1000 Franken einer Spendenorganisation zahlen oder den Bedürftigen vor Ort helfen? Unsere persönlichen Ressourcen, also Zeit und Geld, sind begrenzt. Die «effektiven Altruisten» vertreten deshalb die Meinung, dass es besser ist, eine gute Ausbildung zu geniessen, mehr Geld zu verdienen und mehr an – nachweislich effektivere – Hilfsorganisationen zu spenden, als selbst persönlich vor Ort Hilfe zu leisten. Die «effektiven Altruisten» entscheiden auf Grundlage wissenschaftlich-rationaler Fakten und kaum aus Intuition. Aus ihrer Sicht bewirken Menschen am meisten, wenn sie ihren Fähigkeiten folgen und ihren Job richtig gut machen. Von dem Geld, welches sie so mehr verdienen, können Sie auch mehr spenden. «We are responsible not only for what we do but also for what we could have prevented», schreibt Peter Singer. Wird nun die klassische Philanthropie durch effektiven Altruismus ersetzt? In seinem Ted-Talk liefert Singer Argumente dafür:



Brian Christian und Tom Griffiths (2016): Algorithms to Live By. The Computer Science of Human Decisions
Die Welt scheint immer komplexer zu werden. Täglich müssen wir Entscheidungen treffen. Unzählige Optionen überfordern uns. Wie schön wäre da ein innerer Algorithmus, der einfach die beste Lösung vorschlägt! Stattdessen müssen wir uns meistens auf unsere Erfahrung und Intuition verlassen.

Im Buch «Algorithms to Live By» räumen die Autoren mit dem Mythos auf, dass Computer nur harte Ergebnisse kennen, also richtig oder falsch. In Wirklichkeit liefern uns Maschinen die besten Resultate, wenn das Perfekte nicht praktikabel ist. Gestützt auf dieser Grundlage zeigen uns Christian und Griffiths, wie wir im Alltag selbst nach den Prinzipien der Computerwissenschaft Entscheidungen fällen können. Es geht aber nicht darum, programmieren zu lernen, sondern wie ein Programmierer zu denken.

Algorithmen helfen uns schon heute, wenn wir im Netz nach dem günstigsten Flugticket suchen oder ein gutes Restaurant in der Nähe. Sie beeinflussen dabei eine Vielzahl unserer Entscheidungen. Dabei machen sich auch Ängste und Unsicherheiten breit, weil wir die Logik der Algorithmen nicht verstehen und uns dadurch manipuliert fühlen. Vielleicht kann dieses Buch zu einer kulturelle Annäherung zwischen Mensch und Maschine beitragen.

In diesem Video zeigen die Autoren, wie wir Entscheidungen leichter treffen können:



John Brockman (2015): This Idea must Die. Scientific Theories That are Blocking Progress
Damit Innovation entstehen kann, muss man sich manchmal von althergebrachten Theorien lösen. So lautet die Botschaft der spannenden edge.org-Essay-Sammlung «This Idea Must Die. Scientific Theories That Are Blocking Progress». Max Planck meint dazu: «Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, dass ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern vielmehr dadurch, dass ihre Gegner allmählich aussterben und dass die heranwachsende Generation von vornherein mit der Wahrheit vertraut gemacht ist.» Der Evolutionsbiologe Jared Diamond kontert die Behauptung und ist davon überzeugt, dass auch falsche Ideen in der Zukunft einmal nützlich sein können, indem sie neue Kategorien schaffen oder einfach zur besseren Zeit kommen. Heute leben wir im Zeitalter des Internets. Und das Internet vergisst bekanntlich nichts. So gesehen brauchen wir schlicht einen anderen Umgang mit alten und neuen Ideen.