«Smarter lesen», Folge 1: David Bossharts Büchertipps

02.07.2014

Transhumane Visionen, politisch unkorrekte Provokationen und ein Klassiker, den zu lesen sich wieder lohnt: «Wer die Zukunft verstehen will, muss jetzt diese Bücher lesen», sagt GDI-Direktor David Bosshart. Der Start zur GDI-Sommerserie.

Ted Chu: «Human Purpose and Transhuman Potential: A Cosmic Vision of Our Future Evolution»
Chu ist die intelligentere und viel interessantere Version von Ray Kurzweil. Bei Chu geht es nicht einfach um technische Extrapolationen in die Zukunft. Hier wird die biologisch-humane Evolution mit der Zielgerichtetheit der menschlichen Potenziale ergänzt. Chu zeigt auf, dass eine immer technischere Wirtschaft und Gesellschaft eine Idee oder kosmische Vision braucht, um ihre vielfältigen Potenziale entfalten zu können. Philosophie, Naturwissenschaft und Technologie sind ohne einen religiösen Kern nicht überlebensfähig. Der menschliche Zweck schliesst heute das Transhumane ein. Das ist die unerlässliche Provokation für die Zukunft.

Charles Murray: «Human Accomplishment: The Pursuit of Excellence in the Arts and Sciences, 800 B.C. to 1950»
Murray ist einer der wenigen sogenannten Querdenker, denen es alle paar Jahre gelingt, das Establishment der politisch Korrekten von links wie rechts durchzurütteln. Mit grossem Aufwand, Datenanalysen und Historiometrie zeigt er auf, warum es in welchen Wissenschaften und Künsten welche Leistungen gab – und was dahinter steckt. Es fehlt heute an kreativen Eliten, obwohl wir wie noch nie in Bildung und Ausbildung investieren. Murray kommt mit einer ganz anderen Fragestellung zu ähnlichen Folgerungen wie Chu. Als Kurzversion empfehlenswert: For God’s Eye. The surprising role of christianity in great human accomplishment, in: The American Enterprise October / November 2003.

Samuel Huntington: «The Clash of Civilizations and the remaking of world order»
Man muss heute dieses vor bald 20 Jahren erschienene kontroverse Buch hervorholen und sich eingestehen, wie viel klüger die Anstösse hier sind als bei den oberflächlichen und propagandistischen Globalisierungsphantasien der letzten Jahre. Die Reibungsflächen entstehen bei Sprache, Ethnie, Religion, Zugehörigkeit. Geld kann Probleme zudecken, aber wenn es fehlt, kommen sie wieder hervor.