«Smarter lesen»: Bettina Höchlis Büchertipps

03.09.2014

Weshalb Big Data die Unternehmensführung verbessert, wie Ressourcenknappheit unser Verhalten verändert, und wann die Technologisierung die Mittelschicht verschwinden lässt: Die Leseliste von GDI-Trendforscherin Bettina Höchli.

Alex Pentland: Social Physics: «How good ideas sprea. The lessons from a new science»
Social Physics verbindet Big Data und Verhaltenswissenschaften und liefert neue Erkenntnisse darüber, was uns Menschen ausmacht und bewegt. Mit Millionen von Daten, die über längere Zeit unter Alltagsbedingungen in einem realen Umfeld (so genannten «living laboratories») gemessen wurden, analysiert Pentland das menschliche Verhalten in einem noch nie da gewesenen Ausmass. Am Schnittpunkt von Technologie, Psychologie und Soziologie untersucht er, wie Ideen entstehen und sich ausbreiten. Seine Erkenntnisse sollen eine produktive, kooperative und kreative Führung von Unternehmen und Regierungen unterstützen. Pentland zeigt, wie wir kollektiv handeln können, um schwer zu bewältigende soziale, wirtschaftliche und politische Probleme auf eine neue Art zu lösen. So bietet «Social Physics» einen faszinierenden Blick darauf, wer wir sind und wer wir sein könnten.

Sendhil Mullainathan und Eldar Shafir: «Scarcity. Why having too little means so much»
Warum erledigen erfolgreiche Leute so viele Aufgaben in letzter Minute? Warum sind manche Menschen arm? Warum ist es für einsame Leute so schwierig, Freunde zu finden? In «Scarcity» zeigen die Autoren auf überzeugende Weise, dass alle drei Menschentypen aus denselben Gründen mit ihren Problemen kämpfen. Das Buch untersucht verhaltenswissenschaftlicher und ökonomischer Sicht, wie das Gefühl von Knappheit das Verhalten von Menschen beeinflusst. Es liefert Antworten darauf, warum Arme arm bleiben und Leute mit wenig Zeit auch weiterhin in letzter Sekunde ihre Aufgaben erledigen – und wie Menschen und Organisationen besser mit diesen Erkenntnissen umgehen können.

Tyler Cowen: «Average is over. Powering America beyond the Age of the Great Stagnation»
Die Angst, unter die Räder des technologischen Fortschritts zu geraten, ist nicht neu. Doch sie wird immer beklemmender, nicht zuletzt dank Tyler Cowen. Cowen prognostiziert, dass in Zukunft ein Grossteil der ökonomischen Aktivitäten von Software gesteuert werde. Dadurch würden diese Tätigkeiten als Einkommensquellen wegfallen und eine schleichende Massenverelendung sich breitmachen. Gewinnen würden jene 10% der (US-)Bevölkerung, die mit intelligenten Maschinen kooperieren und sie zu nutzen wüssten. Der Rest lande in Favelas – die Mittelschicht verschwände. Cowens kontrovers diskutierte Science-Fiction-Vision polarisiert, trotzdem sollte man ihn ernst nehmen: Mit seinem letzten Buch «The Great Stagnation» hat er die Wirtschaftskrise doch sehr genau diagnostiziert.