Sie macht den Secondhand-Handel erstklassig

05.03.2014

Frischer Wind statt muffiger Kitsch: Mit Byronesque inszeniert Gill
Linton den Verkauf von Vintage-Mode auf neue Weise. Und setzt dabei voll
auf Storytelling statt auf klassisches Marketing.

Secondhand-Kleider, das sind löcherige Batik-Shirts aus muffigen Läden, in denen Janis Joplin läuft. So oder ähnlich lautet das geläufige Urteil zu Used Fashion.

Und es ist falsch. Kaum eine Handelsnische entwickelt sich derzeit so rasant wie die der Gebrauchtkleider. Online-Shops für getragene Textilien, zeitgemäss und kitschfrei designt, haben regen Zulauf, ebenso stationäre Boutiquen, die ein erlesenes Sortiment an Marken und Einzelteilen führen.

Eine Frau, die beides anbietet, ist Gill Linton. Die Engländerin betreibt mit Byronesque einen international hochangesehenen Online-Shop für Secondhand-Kleider. 2013 eröffnete Linton mit Byronesque/Offline einen temporären Laden für Vintage Fashion in New York. Auch was Sortiment, Lager und Versand angeht, geht Linton neue Wege, wie sie im folgenden Video erklärt.



Byronesque profitiert vom Bedürfnis vieler Konsumentinnen und Konsumenten, statt billiger Massenware ausgewählte Stücke zu tragen, die der Individualität Rechnung tragen. Das Unternehmen ist ein Erfolgsbeispiel für die Reinterpretation des Handels mit Gebrauchtwaren: Stichwort Second Sale. Immer mehr Start-ups konzentrieren sich auf den Verkauf von oder den Zugang zu gebrauchten Babyartikeln, Möbeln oder Küchenutensilien. Selbst heute nicht verkaufte Nahrungsmittel gelangen «von gestern» deklariert in den Handel.

Interessant ist Byronesque auch, weil es sich nicht nur als E-Commerce-Plattform inszeniert, sondern auch als Editorial für die Vintage-Kultur. Das Online-Magazin ist ansprechend gestaltet, die Text- und Video-Beiträge sind sorgfältig aufgezogen. Damit positioniert sich Byronesque in einer weiteren Nische mit Erfolgspotenzial.

Web-Pionier Marc Andreessen sagt der News-Industrie in der aktuellen Ausgabe von Wired nämlich gleich zehnfaches Wachstum voraus. (Seine Prognosen haben Gewicht: Andreessen verhalf schon dem Webbrowser zum Durchbruch und sagte den Triumph der Software über die Hardware voraus.) Wobei er zur News-Industrie nicht nur die traditionelle Presse zählt: Vielmehr interessieren ihn Hybridformen im Web, die sich nicht als reine Newsplattformen betrachten, sondern News als neue Form von Unternehmertum begreifen – wie eben Byronesque.