Saving Snowden: Sarah Harrison am GDI-Trendtag

22.01.2015

Sie organisierte Edward Snowdens Flucht nach Moskau und begleitete den berühmtesten Whistleblower der Welt vier Monate in Russland. Nun kommt Sarah Harrison, Wikileaks Nummer zwei, in die Schweiz und verteidigt am GDI-Trendtag die Informationsfreiheit.

Als die ersten Zeitungen im Sommer 2013 den Namen Edward Snowdens veröffentlichen, sitzt Sarah Harrison im Flugzeug nach Hongkong. Snowden hat in Zusammenarbeit mit dem britischen «Guardian» eben die globale Überwachungs- und Spionageaffäre rund um die US-Spionagebehörde NSA, für die er früher arbeitete,  aufgedeckt. Seither versteckt er sich in einem Hongkonger Hotel. Noch bevor sich die Welt ein genaues Bild vom bleichen Amerikaner machen kann, organisiert die Wikileaks-Mitarbeiterin Harrison vor Ort dessen Rettung vor dem Zugriff durch die USA: Sie verhandelt mit Hongkong eine sichere Ausreise, besorgt die nötigen Visa und tritt mit Snowden die Flucht nach Ecuador an.

Auf halber Strecke muss Harrison den Plan aufgeben. Die USA haben inzwischen Snowdens Pass für ungültig erklärt. Auf dem Moskauer Flughafen sitzen die beiden 39 Tage lang fest. Und Harrison wird als Begleiterin des berühmtesten Whistleblowers der Welt bekannt.

Damals arbeitet die Britin erst drei Jahre für Wikileaks. 2010 steigt sie, die vormalige Investigativ-Journalistin, bei Julian Assanges Organisation ein, die dank der Veröffentlichung geheimer Kriegs- und Diplomatendepeschen gerade globale Berühmtheit erlangt hat. Keine drei Jahre später wähnt man Wikileaks für tot: Assange hat Geldprobleme, brennt Brücken zu Verbündeten nieder und liefert sich mit Schweden, wo er wegen Vergewaltigung angeklagt ist, einen Auslieferungskampf. Hinzu kommen interne Streitereien über die weitere Zukunft der Plattform. Wikileaks liegt in den Seilen.

Als Krisenmanagerin wählt Assange Harrison. Und die bekommt die Organisation der Finanzen in den Griff. Sie professionalisiert die Pressearbeit und sorgt sich um die juristischen Angelegenheiten. Vor Gericht assistiert sie Assange – und läuft 2012 ein erstes Mal zu filmreifer Form auf: Um Beschatter abzuwehren, verwandelt sie Assange mit Schminke, Verkleidung und Perücke in seinen Anwalt – und umgekehrt. Ist sie unterwegs, wechselt sie immer wieder die Wagen oder geht zu Fuss weiter, um potenzielle Verfolger abzuschütteln. Als vorläufigen Höhepunkt organisiert sie Assanges Flucht in die Botschaft von Ecuador.

Doch erst Harrisons Kampf für Snowden katapultiert Wikileaks zurück – und sie selbst erstmals – ins globale Rampenlicht. In den 39 Tagen am Moskauer Flughafen bringt Harrison die russische Regierung dazu, Snowden ein Visum auszustellen. In Russland betreut sie den Dissidenten vier Monate lang, bis sie im Winter 2013 nach Berlin zieht. Snowden «benötigt nun niemanden mehr an seiner Seite», wie Harrison in schreibt, in einem Text, der als Mitteilung beginnt und als Manifest endet:

«Wo Whistleblower auftauchen, müssen wir für sie kämpfen, damit andere ermutigt werden. Wenn sie geknebelt werden, müssen wir ihre Stimme sein. Wenn sie gejagt werden, müssen wir ihr Schutzschild sein. Wenn sie weggesperrt werden, müssen wir sie befreien. Die Wahrheit zu verbreiten, ist kein Verbrechen. Es sind unsere Daten, unsere Informationen, es ist unsere Geschichte. Wir müssen darum kämpfen, dass all das uns gehört.» Und sie schliesst geradezu pastoral: «Mut ist ansteckend.»

Auftritte Harrisons sind selten. Am 11. März 2015 ist sie erstmals in der Schweiz zu sehen. Am GDI-Trendtag in Rüschlikon hält sie einen Vortrag mit dem Titel «Wikileaks: Libraries that Start Revolutions». Nach ihrem Referat wird sie Fragen aus dem Publikum beantworten. Melden Sie sich an!