Pflichtlektüre! GDI-Lesetipps mit Karin Frick

20.08.2015

Ein Geheimtipp, ein Buch über unpassendes Verhalten und gute Science-Fiction: Buchempfehlungen für den Sommer von GDI-Forschungsleiterin Karin Frick.

Venkatesh Rao: Breaking Smart: Seeking Serendipity through Technology. Season 1Das beste Buch und der Geheimtipp dieses Sommers ist die neue Blog-Serie von Mastermind und GDI Research-Partner Venkatesh Rao: «Breaking Smart».«Software frisst die Welt», sagte Marc Andreessen (einst Mitbegründer von Netscape, heute Venture-Capitalist) 2011 in einem inzwischen legendär gewordenen Beitrag für das «Wallstreet Journal». Die Digitalisierung transformiert alle Branchen und die Gesellschaft mindestens so massiv, wie die Industrialisierung vor 200 Jahren. Eine neue Weltordnung entsteht, und das macht den meisten Wirtschaftsführen, Politikern und auch Bürgern Angst. Sie halten an herkömmlichen Business- und Lebensmodellen, Denk- und Arbeitsstilen fest, statt die Vielfalt der neuen technologischen Möglichkeiten zu erkunden, mit den für praktisch jedermann verfügbaren Spitzentechnologien zu spielen und zu experimentieren. «Breaking Smart» regt den Möglichkeitssinn an. Die Blog-Serie eröffnet neue, überraschende Perspektiven für neue Geschäftsmodelle, Arbeits- und Lebensformen, und zwar genau dort, wo die meisten Experten heute schwarz sehen. Dadurch bietet sie zahlreiche überraschende Entdeckungen – Serendipity, wie es der Titel verspricht. Venkatesh Rao hat mit «Breaking Smart» ein sehr praktisches Framework geschaffen, um die digitale Revolution zu verstehen und um die eigene Branche und das eigene Geschäft neu zu erfinden. Must Read!Richard Thaler: Misbehaving: The Making of Behavioral EconomicsDas neue Buch von Richard Thaler, Vater der Behavioral Economics, erklärt, wie Menschen funktionieren – oder eben auch nicht.Theoretisch sind wir alle wie Mr. Spock aus «Star Trek»: effektive Optimierer, die die besten Produkte und Dienstleistungen wählen, die wir uns mit unserem Budget leisten können. Doch in der Realität verhalten wir uns nur selten rational und treffen häufig Fehlentscheide.«Misbehaving: The Making of Behavioral Economics» zeigt nicht nur auf unterhaltsame Weise, wie wir systematisch falsch entscheiden. Es demonstriert auch anhand von vielen praktischen Beispielen, wie man es besser machen und sich selbst und andere überlisten kann, um die selber gesetzten Ziele zu erreichen.Behavioral Economics ist eine junge Wissenschaft, die immer populärer wird. Nach der amerikanischen und der englischen hat jetzt auch die deutsche Regierung eine Nudging-Einheit eingerichtet. Thalers neues Buch bietet sowohl einen guten Einstieg für Praktiker, die sich bisher noch nicht mit dem Thema Behavioral Economics auseinandergesetzt haben, wie auch einen anregenden Update für Kenner der Materie.Wer es übrigens noch genauer wissen möchte und lernen will, wie man Behavioral Economics ganz konkret im Management und Marketing einsetzen kann, den laden wir ein, an der Academy of Behavioral Economics teilzunehmen.Leif Randt: Planet Magnon. Roman. Kiepenheuer & Witsch 2015Allen, die lieber gute Geschichten als Sachbücher lesen, empfehle ich den Zukunftsroman des jungen deutschen Ingeborg-Bachmann-Preisträgers Leif Randt. In «Planet Magnon» schafft er die utopische Welt einer total vernetzten und verhaltens-optimierten Gesellschaft. In der postdemokratischen Ära des Friedens und der Selbstkontrolle haben sich die Menschen zu Kollektiven zusammengeschlossen, die um die besten Lebensstile konkurrieren. Steuern tun sie sich selbst über eine Art kollektive Intelligenz,die «ActualSanity».«ActualSanity ist ein auf einem Shuttle installiertes, weit über den Himmelskörpern schwebendes Computersystem, das den Maschinenraum der neuen Gesellschaft bildet. Als eine Art algorithmischer Weltgeist verteilt die AS Finanzmittel nach einem "Fairness-Schlüssel" oder sorgt dafür, dass Strassen repariert und Häuser gebaut werden. Unauffällig leitet sie die Geschicke der Menschen und beweist schnelle Lernfähigkeit. Denn die AS passt ihre Gesetzestexte auf Grundlage statistischer Auswertungen immer präziser und unmittelbarer an die sich stets erneuernden Verhältnisse an. Die AS kann keine eigenmächtigen Entscheidungen treffen, sie ist abhängig von unseren Handlungen, Diskursen und Wünschen.»Zitiert nach «Die Zeit»