Neue GDI-Studie: Schlafen wird zum Lifestyle

05.11.2014

Wir schlafen immer weniger, gleichzeitig steigt das Interesse am Thema. Das GDI Gottlieb Duttweiler Institute zeigt in einer neuen Studie, wie wir morgen schlafen, was diese Trendwende für die Gesellschaft bedeutet und wo neue Märkte entstehen.

Neue Technologien, Digitalisierung, mobile Arbeitsformen, flexible Lebensstile: Wir sind «always on», genau wie unsere smarten Geräte. Dem rasanten Wandel des 21. Jahrhunderts können sich auch unsere Ruhe-Rhythmen nicht entziehen. Doch es mehren sich die Stimmen, die vor den Folgen ständiger Erreichbarkeit, pausenloser Aktivität und kollektiver Übermüdung warnen. Schlafen rückt vermehrt in den Fokus unserer schlaflosen Gesellschaft.

Wie lässt sich das Verlangen nach Schlaf in Einklang bringen mit der 24/7-Gesellschaft? Die neue GDI-Studie «Die Zukunft des Schlafens» im Auftrag von Möbel Pfister AG und Jensen untersucht, wie sich unser Schlafverhalten verändert und sich parallel zur Bewusstseinswerdung ein neuer Schlafmarkt entwickelt.

Basierend auf einer repräsentativen Umfrage in der Schweizer Bevölkerung entwirft die Studie sechs Thesen zur Zukunft des Schlafens.

1. Der Schlaf wandelt sich vom Grundbedürfnis zum Lifestyle. Statt den Schlaf als biologisches Phänomen einfach hinzunehmen, wird man sich künftig mit seinem Schlafverhalten bewusst auseinandersetzen. Den eigenen Schlaf digital zu vermessen wird genauso selbstverständlich wie der Grundsatz, reichlich in Bett und Matratze sowie weitere Schlafgadgets zu investieren. Anzeichen für diesen Trend manifestieren sich bereits heute in einem rasch expandierenden Schlafmarkt, auf dem sich nicht nur die Matratzen- und Bettenhersteller, sondern auch zahlreiche Startups mit technischen Innovationen tummeln.

2. Viel zu schlafen wird zum neuen Statussymbol
in der Welt der Leistungsträger und Manager. Langschlaf wird zum Synonym für Ehrgeiz, Kreativität und Erfolg, der frühere Kult um den Kurzschlaf als Macho-Gebaren entlarvt. Die kommerzielle Entsprechung solcher Etiketten findet sich in der Luxushotellerie, die ihre Klientel mit den Verheissungen exklusiver Schlaferlebnisse in massgeschneiderten Bettensystemen lockt.

3. Der Powernap wird zum neuen Powersnack. Das Nickerchen zwischendurch kennt die Menschheit seit jeher, nicht nur als kulturelle Einrichtung, sondern als physiologische Antwort auf unsere innere Uhr, die um die Tagesmitte auf eine kurze Erholzeit getaktet ist. Längst ist auch wissenschaftlich bewiesen, dass ein Mittagsschlaf oder eben Powernap ein probates Mittel ist, um sich effizient für die zweite Tageshälfte zu stärken. Damit sich Powernapping breit durchsetzen kann, muss es aus dem privaten Schlafzimmer in den öffentlichen Raum verlagert und mit geeigneten Angeboten gefördert werden.

4. Schlaf wird auch hierzulande zunehmend öffentlich.
Vorboten dieses Trends sind Schlafkapseln an den grossen Flughäfen oder Schlafmasken und Napkissen, mit deren Hilfe man leicht ins Land der Träume abtauchen kann, egal wo man gerade ist.

5. Übermüdung wird das neue Übergewicht. Mit öffentlichen, mobilen Angeboten dem Schlafmangel zu begegnen und das Schlafverhalten zu flexibilisieren ist auch im Interesse der Volksgesundheit. Schlaf wird künftig zu einem zentralen Pfeiler der Gesundheitsvorsorge. Denn wenn Übermüdung chronisch wird, kann sie eine ganze Reihe von Krankheiten (Herzprobleme, Bluthochdruck, Diabetes usw.) auslösen.

6. Schlaf wird zum Schlüsselfaktor zum Erfolg. Denn wer genügend und gut schläft, verschafft sich wichtige Leistungsressourcen. Im Spitzensport hat man diesen Grundsatz längst erkannt, nun entdeckt auch die breite Gesellschaft Schlaf als wichtiges Instrument zur Leistungsoptimierung.

Die Forschung wird dabei bestrebt sein, die Hürde der natürlichen Schlafzyklen zu überwinden, um Effizienz-Orientierten zu ermöglichen, die Ressource Schlaf optimal zu nutzen. Gefragt sind künftig Enhancement-Angebote, die das Schlafen mit technologischen oder natürlichen Hilfsmitteln «verbessern». Schlafen muss aber auch in Zukunft jeder noch selbst.