Moisés Naím im Interview: Maskierte Autokratien

Um der Demokratie die Totenglocke zu läuten, ist es noch viel zu früh, versicherte Moisés Naím, ehemaliger Exekutiv-Direktor der Weltbank und Handelsminister Venezuelas, im Interview an der GDI-Konferenz «Die Zukunft der Macht».

Die Demokratie bleibe das bei weitem beliebteste Herrschaftssystem: «Bei Umfragen in aller Welt finden sich jeweils nur sehr wenige Menschen, die gerne in einem System wie dem russische oder dem chinesischen leben wollen.» Diese enorme Präferenz für Demokratie führe dazu, dass sich eine grosse Zahl autokratisch regierter Staaten «als Demokratie maskieren». Als Beispiele für diese Technik nannte Naim Russland und Venezuela. Während in der Vergangenheit die USA ein verlässlicher Gegner solcher verkleideten Autokratien gewesen seien, ist sich Naím nicht sicher, ob diese Tradition sich fortsetzen wird. «Der Enthusiasmus Donald Trumps, Demokratie und Menschenrechte in anderen Ländern zu verteidigen, in Russland zum Beispiel, scheint nicht besonders ausgeprägt zu sein.»