Microbusiness: Willkommen im Age of Small

Kleinunternehmen seien ineffizient und eine Belastung für die Gesamtwirtschaft, sagen Ökonomen. Falsch, sagt Benedict Dellot vom Londoner Think-Tank RSA. Warum die Kleinen grosse Wirkung haben, erklärt der Brite hier – und an der GDI-Handelstagung.

Kleinunternehmen boomen. Grossbritannien zählt heute fünf Millionen Firmen mit 0-9 Angestellten. Im Jahr 2000 waren es noch dreieinhalb Millionen. Im Gegensatz dazu stagniert die Zahl aller grösseren Unternehmen seit 15 Jahren.

Der Londoner Think-Tank RSA gibt diesem Phänomen den Namen «the second age of small», in Anspielung auf Handwerkerhütten, die das vorindustrielle England prägten. Für viele Ökonomen ist das keine gute Nachricht. Sie betrachten Mikrounternehmen als ökonomisch und gesellschaftlich irrelevant und ineffizient. Andere vielgehörte Kritikpunkte: Niemand werde freiwillig zum Kleinunternehmer. Kleinunternehmer seien ungebildete Jobber. Der Boom sei eine Blase, die mit dem Abflachen der Krise platze.

Diese Vorwürfe hat Benedict Dellot, Associate Director der RSA (Royal Society for the Encouragement of Arts, Manufactures and Commerce) als Mythen identifiziert. Kleine Firmen hätten, so der RSA-Report, zahlreiche positive Wirkungen:



Produktivität
Microbusinesses mögen im Durchschnitt zwar weniger produktiv sein als Grosskonzerne, doch sie sind gerade in schnellwachsenden Industrien stark, wie etwa Gesundheit, Bildung und Sozialwesen – Branchen, die gerade von der Digitalisierung umgewälzt werden.

Innovation
Kleinunternehmen sind innovativer als ihr Ruf, so Dellot. Vor allem im Bereich «intangible innovation» – der Kreation von Konzepten, von Kundenerfahrungen und von Interaktionsdesign – sind sie gemäss der RSA viel einflussreicher als grosse Firmen. Für die Musik, Food- und Medienindustrie ist das überlebenswichtig.

Attraktivität
Während Grosskonzerne viele Menschen beschäftigen, haben die Kleinen die höchsten Werte bei Befragungen zur Mitarbeiterzufriedenheit. Wem Autonomie, Mitsprache, Loyalität und direkte Beziehungen zum Management etwas bedeuten, findet diese Werte in Mikrounternehmen.

Dellot fordert Ökonomen und Entscheidungsträger auf der ganzen Welt auf, den Microbusiness-Boom ernst zu nehmen: die Marktkraft der Kleinen wächst. Regierungen sollten, so Dellot, Bedingungen schaffen, die es Gross- und Kleinunternehmen ermöglichen zu florieren und das Wohl der Konsumenten, Angestellten und Unternehmer zu steigern.

Benedict Dellot referiert an der GDI-Handelstagung vom 8. und 9. September 2016. Jetzt anmelden!