Lorraine Daston über Wahrheit im Internet-Zeitalter

Die Direktorin des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte, Lorraine Daston, kommt diesen Herbst ans GDI. Anlässlich einer Aufzeichnung der SRF-«Sternstunde Philosophie» wird sie über das Konzept von Wahrheit diskutieren. Mit dem «Tagesanzeiger» sprach sie über alternative Fakten und das Internet.

Sternstunde Lorraine Daston

Die Idee, es gebe so etwas wie unumstössliche Fakten, sei eine Errungenschaft der frühen Neuzeit, sagte die Wissenschaftshistorikern und Harvard-Absolventin Lorraine Daston unlängst im Gespräch mit dem «Tagesanzeiger».

Mit dem Internet seien wir heute in einer grundsätzlich ähnlichen Situation wie damals in der frühen Neuzeit, zu Zeiten des Buchdrucks und der Aufklärung – nur bedrohlicher: «Es war noch nie der Fall, dass etwas so mächtig, omnipräsent und zunehmend unverzichtbar ist wie das Internet, aber nicht reguliert.» Dadurch werde das Medium zur Spielwiese der Mächtigen und Reichen, so die Professorin.

Auf die Frage, wie sie als US-Amerikanerin der Trump-Regierung und ihren «alternativen Fakten» begegne, meint Daston: «Mit Gelächter.» Es sei an der Zeit, die Waffen der Aufklärung zu fassen. Wir bräuchten Gelächter, Satire und Spott – und Donald Trump sei dafür das perfekte Ziel.
 

Weshalb Wahrheit heute wieder in aller Munde ist, diskutierte Lorraine Daston zusammen mit dem Schriftsteller Ilija Trojanow in der SRF-«Sternstunde Philosophie» vom 26. November 2017. Die Aufzeichnung fand am 22. November 2017 im Gottlieb Duttweiler Institut statt (Teilnahme auf Einladung).