Kochen Sie noch, oder bestellen Sie schon? – Essen in der Delivery-Economy

Smartphone statt Kochlöffel: «Prepared Food» boomt. Wir wollen schnell und unkompliziert zu unserem Essen kommen. Noch kosten Delivery und Co. deutlich mehr als Selbstgekochtes. Doch das werde sich bald schon ändern, meint Researcherin Christine Schäfer in einer Studie des GDI.

Dieser Text basiert auf einem Auszug aus dem 2019 erschienenen «European Food Trends Report», der über die GDI-Website bezogen werden kann.

Ob Falafel, Pad Thai, Momos oder Pizza: Ist man hungrig, stehen einem heute meistens viele Wege zur nächsten Mahlzeit offen. Welchen Distributionskanal man wählt, entscheiden die meisten KonsumentInnen anhand von vier Hauptkriterien: Convenience (c), Preis (p), Zeit (t) und Qualität (q). Je nach Situation werden diese vier Kriterien unterschiedlich gewichtet, wie im neuesten «European Food Trends Report» des GDI beschrieben wird:

Dine-In (cptQ): Hier ist die Qualität des Essens am wichtigsten. Man will sich ein feines Essen in schönem Ambiente mit gutem Service gönnen. Preis, Zeit und Convenience treten in den Hintergrund. 

Take-Away (Cptq): Hier steht Convenience im Fokus. Man ist zum Beispiel gerade unterwegs und will den Hunger auf die einfachste Art und Weise stillen.

Delivery (cpTq): Bei zeitlichen Engpässen, wenn etwa im Büro keine Zeit für eine Mittagspause bleibt oder man erschöpft daheim beim leeren Kühlschrank ankommt, ist Delivery oft der schnellste Weg zur nächsten Mahlzeit.

Cook-At-Home (cPtq): Steht der Preis im Fokus, ist die günstigste Essensquelle das selbstgekochte Menü daheim. 

Meal-Kit Delivery (cptq): Einen Kompromiss stellen die sogenannten Meal-Kit-Deliveries-Boxen dar, die mit vorportionierten Nahrungsmitteln nach Hause geliefert werden. Diese Kits kosten zwar etwas mehr als eine selbstgekochte Mahlzeit, doch die Zubereitung dauert kürzer. Ausserdem ist dieser Distributionskanal immer noch günstiger als Lieferdienste oder ein Besuch im Restaurant.

Food Distributionskanäle

Das Cook-At-Home-Modell wird trotz seiner preislichen Attraktivität  immer unbeliebter. Das sei vor allem auf unseren Lifestyle zurückzuführen, so GDI-Researcherin Christine Schäfer kürzlich in einem Interview mit «20 Minuten». «Wir sind viel unterwegs und haben wenig Zeit für den Einkauf oder um zu kochen», so Schäfer. Ausserdem lebten in der Schweiz immer mehr Menschen in Single-Haushalten. Für sich alleine zu kochen, falle vielen Menschen schwer, erklärt die Forscherin den Zusammenhang. 

Dass das Geschäft mit dem vorbereiteten Essen boomt, lässt sich in den USA schon länger anhand von Daten nachweisen. Bereits 2016 haben US-AmerikanerInnen mehr Geld für «prepared food» (Restaurants, Delivery und Take-Away) ausgegeben als für Lebensmittel. Tendenz steigend. Die UBS rechnet gemäss einem Research Report bis 2030 mit einem jährlichen Umsatzwachstum der Delivery-Angebote von fast 20 Prozent. 

Der Trend zeigt sich in der Schweiz ebenfalls: Anfang Monat hat beispielsweise eat.ch, der Marktführer unter den Schweizer Delivery-Plattformen, erstmals Zahlen präsentiert. Allein im Januar 2020 seien über die Plattform mehr als 500’000 Mahlzeiten bestellt worden. Das seien doppelt so viele wie im Januar 2019. 

Diese Entwicklung könnte in den nächsten Jahren noch drastisch ansteigen. Der Grund dafür sind sinkende Stückkosten für die Zubereitung in zentralen Küchen und die Lieferung durch automatisierte Logistik (Drohnen, selbstfahrende Autos, Lieferroboter). Ein Beispiel für solche zentralen Küchen sind Dark Kitchens. Als solche werden Restaurantküchen bezeichnet, die nicht für Menschen im Schankraum produzieren, sondern nur für die Auslieferung bestimmte Menus kochen. Langfristig könnte sich der Preis eines ausgelieferten Gerichts also den Kosten eines selbstgekochten Gerichts angleichen.