Keine Angst vor dem Bauchgefühl!

Lassen sich komplexe Fragen nur mit komplexen Antworten lösen? Ganz im Gegenteil, sagt die Forschung. Unser Bauchgefühl führt oftmals zu deutlich besseren Entscheidungen.

«In einer Welt voll Unsicherheit sind Kalkulationen und Big Data nicht genug», so Gerd Gigerenzer, Direktor emeritus am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und einer der führenden Köpfe auf dem Gebiet der Entscheidungsforschung. Um gute Entscheidungen zu treffen, brauche es vielmehr einfache Heuristiken, sprich: einfache Regeln, durch die wir unseren Fokus auf das Wesentliche leiten können – und vor allem unsere Intuition. «Wir müssen in Menschen investieren und nicht ausschliesslich in die nächste Technologie.»

Gigerenzer beschäftigt sich seit Jahren mit dem Entscheidungsverhalten von ManagerInnen, RichterInnen und ÄrztInnen. In erster Linie untersucht er Entscheidungen, die bei Unsicherheit und unter Zeitdruck getroffen wurden. «Intuition ist nichts anderes als gefühltes Wissen», meint Gigerenzer. «Intuition ist somit ein Produkt vieler Jahre an Erfahrung, lediglich in Teilen unseres Gehirns gespeichert, die uns sprachlich nicht zugänglich sind.»

Eine Ressource, die ManagerInnen und Unternehmen nicht ignorieren sollten: In einer Studie konnte Gigerenzer zeigen, dass mehr als die Hälfte aller Entscheidungen im Berufsleben am Ende auf der Grundlage des Bauchgefühls getroffen werden. Doch darüber sprechen wolle kaum jemand, sagt Gigerenzer. Der Grund dafür läge in der Angst vor der eigenen Intuition – genauer, vor der Verantwortung, die man für diese Bauchentscheidungen übernehmen müsse. 

Ein Fehler, meint der Forscher. Mit welchen heuristischen «Daumenregeln» gute Entscheidungen getroffen werden, führt Gerd Gigerenzer in diesem Video aus und an der Academy of Behavioral Economics 2020: