Karin Frick: «Wir befinden uns in einem riesigen sozialen Experiment»

Karin Frick, Leiterin Research und Mitglied der Geschäftsleitung des Gottlieb Duttweiler Instituts, gibt im Interview mit dem «Liechtensteiner Volksblatt» einen Ausblick auf die Zeit nach der Corona-Krise.

In einer Krise müssten alle schneller lernen und ihr Verhalten ändern, meint Karin Frick im Interview mit dem «Liechtensteiner Volksblatt». Bis ein Heilmittel gegen das Coronavirus gefunden werde, komme es jetzt vor allem auf das Verhalten der Bevölkerung an und wie gut sie mit dem harten Entzug von sozialer Nähe und Konsum umgehen könne. «Wir befinden uns gewissermassen mitten in einem riesigen sozialen Experiment, das niemand geplant hat und von dem niemand sagen kann, wie man es schnell und wirksam beenden kann.»

Der Ausnahmezustand sei ein traumatisches Ereignis, wie ein Weltkrieg oder 9/11, das die Gesellschaft prägen und lange in vielen Bereichen nachwirken werde, so die Forschungsleiterin des GDI. Das Bedürfnis nach Kontrolle und Sicherheit werde wachsen und damit die kollektive Bereitschaft, Einschränkungen der persönlichen Freiheit zu akzeptieren. Dies könne dazu führen, dass bereits umgesetzte Einschränkungen nicht mehr zurückgenommen würden und eine nachhaltige Veränderung des öffentlichen Lebens stattfände.

Die Corona-Krise hat gemäss Frick auch Auswirkungen auf das Voranschreiten der Digitalisierung. Dinge wie Home-Office und Onlineshopping würden zukünftig schneller umgesetzt. «Einerseits, weil es bequem ist, wie zum Beispiel Hauslieferungen, andererseits auch, weil es hygienischer ist, wie zum Beispiel das kontaktlose Bezahlen.»

Mit den gesellschaftlichen Veränderungen gingen auch wirtschaftliche Umwälzungen einher. «Der Online-Handel profitiert, und der stationäre Handel verliert. Der strukturelle Wandel im Einzelhandel wird beschleunigt», meint Karin Frick. Der Einzelhandel werde aber nicht gänzlich verschwinden. Vielmehr würden «neue Formate entstehen, die beides bieten, Erlebnisse und persönliche Beratung am Verkaufspunkt und Online-Shopping und Heimlieferung.»

Zum ganzen Interview im «Liechtensteiner Volksblatt».