Kampf der Plattformen: Was Alibaba Amazon vor hat

20.02.2020

Wer darf unsere Daten nutzen? Und wie? Eine Frage, die sich in einer zunehmend von Plattformen geprägten digitalen Welt immer häufiger stellt. GDI-ForscherInnen zeigen in einer Studie Möglichkeiten und Folgen der Datennutzung auf.

Dieser Text basiert auf einem Auszug aus der GDI-Studie «Das Ende des Konsums: Wenn Daten den Handel überflüssig machen»

Ob Google, Facebook oder Amazon: Plattformen bestimmen den Alltag. Über sie verbindet sich alles mit allem. Bald wird es keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Plattformen mehr geben – zumindest aus Sicht der NutzerInnen. Alles geht automatisch, schnell, einfach, reibungslos und ist für jedes Budget optimiert.

Für die Gesellschaft hingegen bestehen zwischen den Plattformen gravierende Unterschiede. Denn verschiedene Plattform-Designs führen zu unterschiedlichen Konsequenzen für das Gemeinwesen. Zum Beispiel kann eine Einzelhandelsplattform die Existenz unabhängiger Händler eher gefährden, so etwa Amazon. Das Unternehmen kauft  Geschäfte on-, aber auch offline strategisch auf, stellt eigenes Personal ein und nimmt so zunehmend eine Monopolstellung ein. Einzelhandelsplattformern können aber auch das Gegenteil, wie das Beispiel Alibaba zeigt. Im Gegensatz zu Amazon bietet Alibaba seinen Anbietern lediglich eine Infrastruktur, um ihre Produkte zu verkaufen, vertreibt selber aber keine eigenen Produkte.  

Das Plattform-Design wird insbesondere zu einer relevanten Grösse, wenn es um den Aufbau von Superplattformen wie etwa WeChat geht, die viele verschiedene Plattformen integrieren und kontrollieren. WeChat  zum Beispiel ist unter anderem gleichzeitig eine Zahlungsplattform und ein Messenger-Dienst. Dabei ist in erster Linie entscheidend, wie der Datenreichtum, also Erkenntnis und Macht, auf die partizipierenden Sub-Plattformen verteilt wird. Wer hat wie an dem teil, was durch unsere Aktionen auf einer Plattform entsteht? Wie etwa teilen sich auf Plattformen wie Alibaba die einzelnen Händler und der Plattformbetreiber die gesammelten Daten?

Zirkel_Konsum

Zwei unterschiedliche Architekturen lassen sich unterscheiden: Einerseits eine nach aussen hin verschlossene, die auf eine Konzentration der Daten an einem Ort abzielt und nach dem Prinzip «The winner takes it all» funktioniert. Andererseits eine offene, bei der die Daten mehreren Beteiligten zugänglich sind und  «Swarm Learning» begünstigt wird. 

Aktuell geht der Trend in Richtung Konzentration: Wer mehr Daten hat, hat mehr Wissen, kann so bessere Produkte herstellen und mehr KundInnen gewinnen, noch mehr Daten sammeln, schneller lernen und mehr Talente anziehen, die noch bessere Produkte entwickeln und so weiter. 

Doch nur eine offene Plattform, in der Erkenntnisse und Macht fair verteilt werden und verschiedene Akteure kollektiv lernen und weiterkommen, könnte langfristig den Wohlstand und das Wohlbefinden von uns allen, und nicht nur den eines einzelnen Unternehmens, mehren. In diesem positiven Zirkel würden Menschen durch die Analyse der eigenen Daten klüger, damit wertvoller für den Arbeitsmarkt, die Unternehmen würden durch das Wissenswachstum ihrer MitarbeiterInnen erfolgreicher, verdienten mehr, könnten so wiederum in Tools investieren, die die Datenanalyse noch besser machen und so weiter. Kurz: Wir würden immer besser im Besserwerden.

Eine Plattform hingegen, in der nur wenige profitieren und die meisten NutzerInnen ausgebeutet werden, wird sich auf lange Sicht wohl eher schwer halten können.