Je mehr Grenzen wir haben, desto grenzenloser wird die Welt

27.04.2017

Der Weltbürger und Geostratege Parag Khanna plädiert für eine Weltsicht abseits der geopolitischen Landkarte. Vernetzung sage viel mehr über die Macht einzelner Länder aus als deren Landesgrenzen. Am 29. Mai 2017 diskutiert er am GDI gemeinsam mit Tyler Cowen das Thema «Trägheit, Stillstand, Populismus: Pflegefall Demokratie».

Khanna Sternstunde
Indien, USA, Deutschland, Singapur – dies sind nur ein paar der Länder, in denen der Geostratege Parag Khanna aufwuchs und lebte. Für ihn sind Landesgrenzen irrelevant, viel wichtiger sei die globale Anbindung der Länder: «Macht wird ausgeübt durch die Vernetzung über Elektrizitätsleitungen, internationale Banken oder Verkehrsinfrastruktur.» Um die Verbundenheit einzelner Länder – und damit deren Macht – darzustellen, entwarf er eine Weltkarte der «Konnektivität»: Sie zeigt die Infrastruktur, die uns alle verbindet. Diese sei teilweise älter als die Staaten, die sie heute benutzen. Und werde noch bestehen, auch wenn es einzelne Staaten in Zukunft  nicht mehr gebe. In der «SRF Sternstunde Philosophie» stellte Khanna seine Landkarte vor:


Für den ehemaligen Berater Obamas steht fest: «Das Schicksal ist nicht Geographie, sondern Vernetztheit.» Und Khanna erklärt folgendes Paradox: «Je mehr Grenzen wir haben, desto grenzenloser wird die Welt, weil wir alle abhängiger voneinander werden. Je kleiner der Staat, desto mehr ist dieser Staat vom Rest der Welt abhängig.»

Wir hätten uns über Brexit empört, als ob die Welt auseinanderfalle und Grossbritannien sich von der Welt abschotte. Das Gegenteil sei der Fall: «UK ist immer noch unter den Top Fünf der verbundensten Länder der Welt. Die Finanzströme gibt es noch, den Eurostar wird es noch geben. Der Wert der Währung ist wichtiger, um die Konnektivität zu bestimmen als die Mitgliedschaft in der EU.»

Am 29. Mai 2017 stellt Parag Khanna die vom GDI herausgegebene deutsche Adaption seines neuen Buchs «Jenseits von Demokratie: Regieren im Zeitalter des Populismus» vor.