Jacquelien van Stekelenburg: «Alle können durch Social Media zu Aktivisten werden»

19.03.2020
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In den letzten zehn Jahren gab es so viele Proteste wie seit den Sechziger Jahren nicht mehr. Wieso? Das ist eine der schwierigsten Fragen der Sozialwissenschaften. Jacquelien van Stekelenburg hat eine Antwort.

Proteste kommen und gehen – in Wellen, so Jacquelien van Stekelenburg, Professorin für sozialen Wandel und Konflikt, in einem Video-Interview, das im Rahmen des 16. Europäischen Trendtages am Gottlieb Duttweiler Institut stattfand. Laut van Stekelenburg ist der Anstieg an Protestbewegungen im Wesentlichen auf die Sozialen Medien zurückzuführen. Aber auch Inspiration und Affekthaftigkeit seien Treiber: Menschen sehen, dass andere protestieren, und entscheiden, selber auch auf die Strassen zu gehen.

Was die Sozialen Medien zum bedeutsamen Faktor mache, sei die Möglichkeit, eine enorm grosse Masse zu erreichen – in kurzer Zeit zu geringen Mitteln. «Das nennen wir den Super-Size-Effekt», meint die Professorin. «Eine derart grosse Gruppe von Menschen zu erreichen, war zuvor mit hohen Kosten verbunden.» Somit kann jeder, der in den sozialen Medien partizipiert, Informationen verbreiten und zum Organisator bzw. zum Aktivisten werden. Und nicht wie früher nur Gewerkschaften, die alles von oben nach unten organisieren. «Alle können durch Social Media zu Aktivisten werden», sagt  van Stekelenburg. Und das habe die gesamte Protestdynamik verändert.

Zum Interview: