Informationskonkurrenz durch Augmented Reality

Heute reicht ein einziger Blick aufs Smartphone, um alles über ein Produkt zu erfahren. Auch das, was in der Werbung weggelassen wird. Unternehmer seien dadurch gezwungen, ihre Kommunikationsstrategien neu zu denken, schreibt GDI-Forscher Jakub Samochowiec.

Grafik Informationskonkurrenz durch Augmented Reality

Dies ist ein Auszug aus der GDI-Studie «Digital Corporate Publishing – Wer morgen über Ihre Firma spricht». Die vollständige Studie ist kostenlos als Download verfügbar.

Der allzeit verfügbare Zugang zu Informationen stellt Marketing-Abteilungen, die top-down kommunizieren wollen, vor eine grosse Herausforderung. Unternehmen verlieren die Deutungshoheit, auch in Domänen, wo sie sich bis anhin noch sicher fühlten.

Eine Verkaufsfläche, In-Store-Werbung und Produktverpackungen garantieren nicht, dass die Verkäufer auch diejenigen sind, die ihre Kunden über ihr Produkt informieren. Ein Beispiel für eine digitale alternative Informationsquelle ist «Codecheck». Mit der Schweizer App lassen sich Strichcodes von Produkten einscannen, um mehr über sie zu erfahren. So kann man auch an Informationen gelangen, die der Hersteller lieber verschweigen würde. Bereits 29 Millionen Produkte sind erfasst, die App selber wurde über 3 Millionen Mal heruntergeladen. Sie gibt nicht nur an, welche Inhaltsstoffe eventuell problematisch sind, sondern auch, welche Produkte bessere Alternativen wären.

Noch ist es relativ umständlich, im Laden jeden einzelnen Joghurtbecher einzuscannen, weshalb die App wohl noch eher ein Spezialpublikum anspricht, das sich sehr genau mit seinen Einkäufen auseinandersetzen will. Wenn sich aber Augmented Reality durchsetzt, wird es ein Leichtes sein, sich über das ganze Joghurtregal hinweg schnell alternative Informationen einzuholen. Das würde ein Angebot wie dasjenige von «Codecheck» für eine viel breitere Kundengruppe interessant machen und die Deutungshoheit von Hersteller oder Verkäufer stärker in Frage stellen.

Solche alternative Informationen können bisherige Unternehmensnarrative, sei es im Marketing oder in der Kommunikation, völlig unterwandern. Simple Marketinginstrumente, wie das Abbilden schöner Menschen mit dem Produkt, können durch das Zufügen von Informationen über Produkt oder Produktion als irreführend, manipulativ und zynisch wahrgenommen werden. Bilder von Kinderarbeit unterwandern die Wirkung von Hochglanz-Werbefotos, Zahlen zum Zuckergehalt untergraben Gesundheit suggerierende Aussagen wie «mit Vitamin C!». Aussagen wie «Aktion!» oder «reduzierter Preis» wirken nicht, wenn man den noch niedrigeren Preis im Konkurrenz-Discounter angezeigt bekommt.


    
Mehr zur Zukunft des Corporate Publishing finden Sie in der GDI-Studie «Digital Corporate Publishing – Wer morgen über Ihre Firma spricht».