High statt betrunken: Wellness-Generation Z steht auf CBD

27.11.2019

Die Getränkeindustrie rüstet sich für eine alkoholfreie Zukunft. Investiert wird dabei auch in Cannabis. Wie das Kraut sein Image als Kiffer-Droge ablegt und zum High-Tech-Getränk mutiert, wird in einer GDI-Studie beschrieben.

Dieser Text basiert auf einem Auszug aus dem neuesten «European Food Trends Report» des GDI, der auf unserer Website bezogen werden kann.

Generation U35 will keinen Kater, sondern körperliches Wohlbefinden. Seit Jahren nehmen Alkohol- und Tabakkonsum in der Schweiz in dieser Altersgruppe ab und die Gedanken um Gesundheit und Fitness zu. Eine Entwicklung, die sich in einer höheren Nachfrage nach alkoholfreien Getränken zeigt – von aromatisierten Mineralwassern bis hin zu alkoholfreien Spirituosen. Die grossen Getränkehersteller reagieren auf diese Verschiebung, passen ihr Sortiment an und locken die gesundheitsbewussten KundInnen mit einem Wellness-orientierten Branding.

Immer mehr wird auch in trinkbare Produkte auf Cannabis-Basis investiert. So hat Constellation Brands, das Unternehmen hinter der Biermarke Corona, 2019 rund 4 Milliarden US-Dollar in den führenden nordamerikanischen Cannabis-Produzenten Canopy Growth Co. gesteckt. Dieser Schritt ist als Reaktion zu verstehen auf das veränderte Konsumverhalten der jüngeren Generation, in der der Bierkonsum sinkt und der Cannabiskonsum steigt. Cannabis kostet weniger, wirkt entspannend und am Morgen nach dem Konsum wacht man ohne Kopfschmerzen auf. 

Die Idee, dass Cannabis – in erster Linie das nicht-psychoaktive CBD – auch als Getränk konsumiert werden könnte, ist eher neu. Im Zusammenhang mit dem allgemeinen Fitness- und Wellnesstrend macht der Abschied vom Inhalieren aber für viele Menschen Sinn. Allerdings fehlen bislang wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Langzeitwirkungen von CBD. Das dürfte die KonsumentInnen indes nur wenig abschrecken. Eine Netzwerkanalyse des GDI zeigt nämlich, dass zumindest ein Teil von ihnen den sogennanten Bio-HackerInnen nahe stehen – und die schrauben gerne selber und ohne wissenschaftliche Voruntersuchungen an ihrer Biologie herum.

Die Grafik visualisiert, wie viel oder wenig WeinkennerInnen, BierbrauerInnen, KaffeeliebhaberInnen und Cannabis-TrinkerInnen jeweils gemein haben. Beispielsweis sind Wein- und BiertrinkerInnen eher bei den Gourmets zu finden. Geschmack und Genuss stehen für sie im Vordergrund, weniger die Wirkung, die das Getränk auf Körper und Geist hat. Kaffeetrinker wiederum sind eine Mischform, sie befinden sich zwischen den Gourmets und den Bio-HackerInnen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Kaffee als Muntermacher seit jeher zur Selbstoptimierung konsumiert wurde – eine Form des Bio-Hackings. Doch mit dem wachsenden Kaffeekult entstand eine neue Generation von Kaffeetrinkern und Baristas, bei denen die geschmackliche Vielfalt und das Experimentieren mit verschiedenen Brüh-Methoden, Bohnensorten, Röstungen, Dosierungen, Mahlgraden und Wassertemperaturen im Vordergrund stehen. Solche Gourmet-Affinitäten gehen den Cannabis-KonsumentInnen eher ab. Viel näher stehen sie den Bio-HackerInnen: Nicht der Geschmack, sondern die Wirkung, der Effekt der Cannabinoide, steht im Vordergrund.