Götz Rehn: «Ich bin ein Freund der Kooperation.»

Götz Rehn, Alnatura-Gründer und Referent an der GDI-Handelstagung, spricht im Interview mit der «Handelszeitung» über seine Lehrjahre bei Nestlé, seine Beziehung zur Migros und zum GDI, den Kunstfleisch-Hype und das Bio-Geschäft von heute.

Götz Rehn

Handelszeitung: Ihre beruflichen Anfänge machten Sie bei einer Firma, die stärker auf Gewinnmaximierung abzielt: Nestlé. Was lernte der junge Götz Rehn vom Food-Multi? 

Götz Rehn: Sehr viel! Das war eine sehr spannende und sehr gute Zeit. Ich wurde als Trainee damals vom langjährigen Nestlé-Generaldirektor Helmut Maucher eingestellt. Vorgängig hatte ich am Gottlieb Duttweiler Institut in Rüschlikon einen Vortrag gehalten, daraufhin sprach mich ein Mitglied der Schweizer Nestlé-Direktion an und fragte mich, ob ich denn schon wisse, was ich nach meiner Promotion so machen wolle. Das wusste ich noch nicht. Da sagte mir der Mann, dass Helmut Maucher jemanden für Nestlé Deutschland suche.

Ihre wohl stärkste Swiss-Connection ist jene zur Migros: Alnatura-Produkte gibt es seit 2012 auch in der Schweiz, in Zusammenarbeit mit der Genossenschaft Migros Zürich. Warum wollten Sie die Schweiz nicht im Alleingang erobern? 

Ich bin ein Freund der Kooperation. Damit haben wir sehr viel erreicht in der Geschichte von Alnatura. Kommt dazu: Ich schätze Gottlieb Duttweiler sehr. Der Migros-Gründer hat mich durch seine Schriften, Zitate und Gedanken schon vor meiner Nestlé-Zeit angeregt und beeindruckt. Duttweiler war ja derjenige Händler, der innerhalb seines Heimmarktes das grösste Lebensmittelunternehmen der Erde aufgebaut hat. Und dies mit einem eingebauten Umsatzverzicht auf Alkohol und Tabakwaren. Kommt noch das Kulturprozent hinzu – eine ausserordentliche Leistung.

Warum partnerten Sie nicht mit dem Schweizer Bio-Pionier Coop? 

Weil mir die Philosophie der Migros sehr gefällt. Wissen Sie, was rechts vom Eingang im Gottlieb Duttweiler Institut in Rüschlikon steht? 

Der Spruch: Der Mensch im Mittelpunkt. 

Genau. Und das beantwortet doch alles.

Hilft es der Bio-Bewegung, wenn Hard-Discounter wie Aldi und Lidl vermehrt Bio-Produkte in ihre Regale nehmen? 

Es kommt drauf an, was da genau verkauft wird. Ein Beispiel: In der Alnatura-Mandelmilch stecken sieben Prozent Mandeln. Bei einem Hard-Discounter sind es zwei Prozent. Plus ein paar Zutaten, bei denen Sie als Verbraucher überrascht wären, dass sie darin sind…

Wird Bio weiter boomen? 

Der Boom hat doch noch gar nicht angefangen! Zumindest nicht in Deutschland. Hier liegt der Anteil von Bio erst bei 6,5 Prozent. Da kann man doch noch nicht von Boom sprechen. Der Boom beginnt erst jetzt richtig. Das ist auch gut so, weil es um das Wohl unseres Planeten geht.

Was halten Sie von Fleischersatz-Produkten wie von Beyond Meat? 

Ganz schwierig, muss ich sagen. Für mich ist Fleisch Fleisch, ein Ei ist ein Ei. Der ganzheitliche Ansatz im biologischen Anbau gilt bei uns auch für die Weiterverarbeitung. Dazu müssen wir die Natur nicht laufend überlisten. Wenn wir Fleisch wegen der Umweltbelastung nicht mehr in grossen Mengen produzieren können, müssen wir einfach weniger Fleisch essen.

Zum ganzen Interview mit der «Handelszeitung».