Ghost-Everything: wenn das Restaurant keine Sitzplätze mehr braucht

03.09.2020

Schliessende Kaufhäuser und leere Schaufenster in Fussgängerzonen sind nicht erst seit der Corona-Pandemie ein Problem. Die Geschäfte in den Innenstädten müssen sich neu erfinden. Im Gespräch mit dem «Deutschlandfunk» zeigt GDI-Forscherin Marta Kwiatkowski die Alternative auf.

Take Away

Dass der stationäre Einzelhandel und somit ganze Innenstädte in der Krise stecken, war schon vor Corona klar. Die Pandemie hat den Trend hin zum Onlineshopping lediglich verstärkt. Der Schweizer Onlinehandel legte im ersten Halbjahr 2020 um über 35 % zu. Und: Die neuen Online-Kunden sind gekommen, um zu bleiben.

Dass die Pandemie aber auch eine Chance für den stationären Handel sein kann, zeigte das boomende Delivery-Geschäft im Lockdown. Selbst die kleinsten Restaurants boten ihre Gerichte zum Mitnehmen oder sogar geliefert an.
 
Fachleute nennen das Phänomen «Ghost-Everything». Es beschreibt die Tatsache, dass diverse lokale Dienstleister, anders als bisher gedacht, nicht mehr in jedem Fall ein Ladenlokal benötigen. GDI-Forscherin Marta Kwiatkowski äusserte sich dazu im «Deutschlandfunk»: «Wir merken, das Thema Ghost-Kitchen ist beispielsweise ein Trend in der Gastronomie, wo sich die Gastronomen immer mehr auch die Frage stellen, wofür brauchen sie denn überhaupt noch Restaurantsitzplätze, wenn man eben beispielsweise perfektes Essen auch nach Hause liefern kann und damit eigentlich nur eine Rumpfinfrastruktur noch notwendig ist.» Das sei aber nur ein Anfang, so Kwiatkowski:

Ich denke, dieses Ghost-Everything-Thema wird sich durchziehen in sämtliche Dienstleistungsbereiche, wo der soziale Aspekt nicht zwingend im Vordergrund steht.

Marta Kwiatkowski