Genetische Veränderung von Lebensmitteln: Eine umstrittene Tradition

09.08.2018

Seit Jahrtausenden verändern wir unsere Nahrungsmittel durch Selektion und Kreuzung. Trotzdem ist die genetische Veränderung von Organismen umstritten. Ängste – etwa vor multiresistenten Schädlingen – prägen den Diskurs. Doch gentechnische modifizierte Organismen könnten die Welt auch im positiven Sinn verändern.

Dies ist ein Auszug aus der GDI-Studie «European Food Trends Report». Die vollständige Studie steht als Download bereit.

Je weiter entwickelt eine Technologie ist, desto eher wird diese von der Gesellschaft auch akzeptiert. Laborfleisch und Nutrigenetik befinden sich noch im Anfangsstadium und werden eher kritisch beäugt. Bio-Hacking steht im Hinblick auf gesellschaftliche Akzeptanz und technologische Entwicklung am Wendepunkt, während Precision Agriculture sowohl technologisch weit entwickelt als auch gesellschaftlich akzeptiert ist. Negativer Ausreisser: Genetisch veränderte Organismen (GMO) sind relativ weit entwickelt und werden auch vielerorts eingesetzt. Die gesellschaftliche Akzeptanz ist jedoch sehr gering und der Einsatz der GMOs umstritten: Jüngstes Beispiel dafür ist die Debatte um das Urteil des Europäischen Gerichtshof zu genetisch modifizierten Organismen.

Dabei verändert der Mensch seit Beginn der Sesshaftigkeit seine Nahrungsmittel genetisch. Jedes Jahr wurden die Samen jener Exemplare wieder ausgesät, die besonders gross, schmackhaft oder resistent waren. Durch die fortwährende Selektion hat der Mensch die Gene von Früchten, Gemüse und Getreide in einem langsamen Prozess über mehrere tausend Jahre komplett verändert und unzählige neue Sorten kreiert. Zum Beispiel der Pfirsich: In seiner wilden Form war er vor gut 6 000 Jahren 75 % kleiner als der heutige Pfirsich, schmeckte eher erdig, hatte eine wachsartige Haut und kam nur in China vor. Heute kommen Pfirsiche in etwa 200 verschiedenen Sorten daher, sind gross, süss und saftig, haben eine weiche Haut und wachsen auf allen Kontinenten.

Ähnliches geschah mit allen anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen wie Mais, Bananen oder Gurken. Es gibt nur zwei Unterschiede zwischen diesem jahrtausendealten Prozess und GMO: Erstens müssen wir heute nicht mehr tausend Jahre warten, bis eine neue Art entsteht; zweitens wird heute gezielt manipuliert, die Veränderung ist nicht von spontanen Mutationen abhängig. Doch woher kommt die Skepsis in der Bevölkerung? Im Gegensatz zu Kreuzungen und Mutationen, wie man sie aus der traditionellen Landwirtschaft kennt, wird bei GMO genetisches Material von artfremden Organismen miteinander kombiniert. Daraus entstehen transgene Organismen. Es könnte sein, dass solche Transgene an andere Organismen weitergegeben werden und dadurch auch nicht-GMO infiltrieren oder neue superresistente Schädlinge entstehen.

Trotz der Kontroversen sind viele Wissenschaftler davon überzeugt, dass gentechnisch veränderte Organismen nützlich sind. Sie könnten die Welt ernähren und als Ersatz für fossile Brennstoffe dienen. Soja beispielsweise kann durch gentechnische Veränderungen besser an zukünftige Umweltkonditionen – höhere Temperaturen und höherer CO2-Gehalt in der Luft – angepasst werden und einen höheren Ertrag als herkömmliche Pflanzen liefern. Zuckerrohr lässt sich genetisch so verändern, dass es in seinen Blättern und Stielen Öl produziert, aus dem Biodiesel hergestellt werden kann. Modifizierte Pflanzen produzieren ausserdem mehr Zucker, woraus Ethanol hergestellt werden kann. Zudem lassen sich die Pflanzen auf Grenzertragsböden anpflanzen, die sich für die Nahrungsmittelproduktion nur bedingt eignen. Vielleicht können so schon in ein paar Jahren Felder mit Ölpumpen durch Felder mit grünen Pflanzen ersetzt werden.

 

Mehr zur Zukunft der Ernährung gibt es im «European Food Trends Report» zu lesen.