Gemeinsam glücklich – oder warum wir sozial sein müssen

Menschen brauchen Gemeinschaft um zu überleben. In einer immer vernetzteren Welt sollte es uns also eigentlich immer besser gehen, unser soziales Wohlbefinden gross sein. Doch dem ist nicht so, schreiben GDI-ForscherInnen in einer Studie und erklären, warum.

Herz Wellness

Der nachfolgende Text basiert auf einem Auszug aus der GDI-Studie «Wellness 2030 – Die neuen Techniken des Glücks», die in unserem Webshop bezogen werden kann.

Einsamkeit schadet Ihrer Gesundheit – mehr als Rauchen oder ungesundes Essen. Denn Vereinsamung bedeutet sozialen Stress, belastet das seelische Wohlbefinden, und das wiederum wirkt sich auch auf den körperlichen Zustand aus. Nach Einschätzung des Neurowissenschaftlers John Cacioppo, Direktor des Centers for Cognitive and Social Neuroscience der University of Chicago, sind die körperlichen Folgen von sozialer Isolation oder Ablehnung so real wie Durst, Hunger oder Schmerz. Am Rand der Gemeinschaft zu stehen oder gar ausgeschlossen zu werden, bedeute höchste Gefahr, sagt Cacioppo. Automatisch schalte unser Gehirn in einen Selbsterhaltungsmodus, der den Körper massiv belaste. Eine gute soziale Integration sind für Gesundheit und Wohlbefinden demnach unerlässlich. Dabei geht es allerdings nicht um die Integration in irgendeine Gruppe, sondern in eine, in die man passt und die einem guttut. Plakativ ausgedrückt: Der sicherste Weg zum Glück führt über die richtigen persönlichen Beziehungen. 

In der vordigitalen Epoche war es oft reine Glückssache, Menschen zu finden, die einem guttun. Heute gibt es neue Tools, die die Partnersuche fürs Leben oder fürs Abenteuer optimieren. Über Matching-Plattformen lassen sich leichter Menschen finden, die zu einem passen. Das wirkt sich nicht nur auf unsere Freundschaften oder Liebesbeziehungen aus, sondern auf unser gesamtes Leben. 

Sich mit anderen zu vernetzen, hat im 21. Jahrhundert eine neue Dimension: Kollaboration ist Alltag. Zusammen lernen wir besser, erreichen schneller unsere Ziele, sind klüger, machen weniger Fehler. Noch organisieren wir diese Zusammenarbeit je nach Aufgabe ad hoc. Künftig könnten Algorithmen die Auswahl der besten Partner für uns übernehmen. Und damit könnte die Qualität der Ergebnisse des Zusammenarbeitens wesentlich gesteigert werden. 

Der amerikanische Computerexperte Louis Rosenberg geht noch einen Schritt weiter. Er will mithilfe eines Algorithmus, der Gruppen zu Superexperten macht, die menschliche Intelligenz als solche steigern. Rosenberg nennt seinen Ansatz Unanimous Swarm AI. Anstatt den Menschen aus der Entscheidungsschleife zu entfernen, wie das viele Expertensysteme bislang tun, macht er ihn zu einem wichtigen Teil des Entscheidungsprozesses. Rosenbergs Algorithmus bringt passende Menschen zusammen, verstärkt damit die Schwarm-Intelligenz und steigert durch das sich gegenseitige Beflügeln das Wohlbefinden. Vor allem kollektives Lernen lässt sich so beschleunigen.

Natürlich hat die zunehmende Vernetzung auch Schattenseiten. Der soziale Druck, sich mit anderen aus der «richtigen» Gruppe zu vernetzen, steigt. ExpertInnen wie Dr. Bernadka Dubicka vom Royal College of Psychatrists haben etwa herausgefunden, dass insbesondere junge Mädchen immer mehr psychische Krisen durchstehen, weil durch die Vergleiche mit ihren Peers auf Social Media Druck und Ängste ausgelöst werden. Diesem Druck stand zu halten, einen Ausgleich zu schaffen zwischen sozialer Nähe und Distanz, wird zukünftig noch mehr als heute über unsere Zufriedenheit entscheiden.