«Future Skills» – Antworten auf Fragen aus der Online-Studienpräsentation

Die neue GDI-Studie «Future Skills» entwirft vier Szenarien für das Jahr 2050 und leitet davon ab, welche Fähigkeiten für diese Zukünfte notwendig sind. Studienautor Jakub Samochowiec beantwortet in einem Text Fragen aus der Online-Studienpräsentation vom 26. Mai 2020.

Wurden die vier Szenarien auch mit einer Wahrscheinlichkeit ihres Eintretens gewichtet?

Nein, die Szenarien sind nicht als Prognosen mit einer bestimmten Eintretenswahrscheinlichkeit zu verstehen. Vielmehr sind es Extrempositionen. Die Zukunft wird sich vermutlich irgendwo zwischen diesen Extrempositionen abspielen und Anteile aller vier Szenarien beinhalten. Hinzu kommt, dass die Mischung dieser vier Anteile nicht für alle Menschen gleich sein wird. Vielleicht wird die Mischung sogar je nach Situation und Domäne unterschiedlich ausfallen. Vielleicht wird die Welt in Sachen Informationen einem KI-Luxus Szenario ähneln, aus ökologischer Perspektive aber eher einem Kollaps-Szenario.

Es gibt aber auch einen zweiten Grund dafür, keine genauen Prognosen zu äussern. Denn jegliche Auseinandersetzung mit der Zukunft verändert diese wiederum. Mit unserer Studie hoffen wir auch explizit, die Zukunftsgestaltungsfähigkeit von kommenden Generationen zu erhöhen. Sollte uns das gelingen, wird die Zukunft eine andere sein. Somit macht es keinen Sinn, die Zukunft gleichzeitig beeinflussen und genau vorhersagen zu wollen.

Hat das einzelne Individuum in der Zukunft eine Daseins-Berechtigung, oder muss man seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse der Gemeinschaft unterordnen?

Das ist ein persönliches Werturteil, doch würde ich sagen, dass die Gemeinschaft keine Daseins-Berechtigung hat, wenn sie nicht dem Individuum nützt. Das «Unterordnen» unter gemeinsame Regeln und der individuelle Nutzen schliessen sich nämlich nicht aus. Auch im Verkehr halten wir uns an bestimmte Regeln, weil es für alle Individuen von Vorteil ist, dies zu tun.

In jedem Szenario der Studie ist eine Gemeinschaftsperspektive auch für das Individuum von Vorteil.

Im Kollaps-Szenario ist die Gemeinschaft wichtig, da man damit die Welt neu aufbauen kann anstatt dass jede und jeder versucht, als Warlord an die Macht zu kommen. Von dem Wiederaufbau profitieren alle. Im Gig-Economy Prekariat ist ein Zusammenschluss von Gig-ArbeiterInnen hilfreich, um sich gegen die Übermacht der Monopol-Plattform zu wehren. Im Netto-Null Szenario muss man sich als Gemeinschaft verstehen, um nicht die eigenen Ressourcen aufzubrauchen, wodurch am Schluss für niemanden mehr etwas bleibt. Im KI-Luxus Szenario werden Kunstwerke, Formen des Ausdrucks der eigenen Individualität, mit der Gemeinschaft geteilt und geschätzt und erhalten dadurch noch mehr Bedeutung.

Die Menschheit ist nur durch Kooperation, also durch das Befolgen von gemeinschaftlichen Regeln so erfolgreich geworden. Wir sind aber vor allem dann bereit, diese Regeln zu befolgen, wenn sie auch uns als Individuen Vorteile verschaffen und wenn wir als Individuen auch daran beteiligt sind, diese Regeln zu definieren.

Ich denke, das Zukunftsgestaltung nicht nur ein Thema für den Nachwuchs ist, sondern insbesondere eine zwingende Kompetenz des heutigen Managements sein sollte. Wie denken Sie darüber?

Die beschriebenen Future Skills lassen sich auch auf Unternehmen anwenden. In einer sich immer schneller wandelnden Wirtschaft müssen Mitarbeitende befähigt werden, selber mehr Entscheidungen zu treffen und nicht auf Entscheidungen «von oben» zu warten.

Inwiefern ändern sich denn die Skills der Zukunft gegenüber den aktuell nötigen?

Je mehr die Zukunft sich von der Gegenwart unterscheidet, desto weniger kann man sich an den Leitplanken bestehender Erfahrungen und Institutionen orientieren und desto wichtiger wird die Fähigkeit der Selbstbestimmung. In unserem Modell sind besonders die Fähigkeiten gefragt, die zur «Wollen»-Kategorie gehören. Diese Fähigkeiten sind zwar schon heute wichtig. Weil wir aber glauben, dass die Zukunft viele grundlegende Veränderungen mit sich bringen wird, nimmt ihre Bedeutung zu.

Studienpräsentation anschauen:

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