Food Thought Leader: Warum Hashtags das neue Salz in der Suppe sind

01.11.2018

Die neuen Popstars singen nicht; sie kochen, bloggen und teilen. Die Food-Branche boomt. Zwei Netzwerkanalysen des GDI zeigen, was die Stars der Branche heute erfolgreich macht.

Dies ist ein Auszug aus der GDI-Studie «European Food Trends Report». Die vollständige Studie steht auf unserer Website zum Download bereit. 

Essen wird zum neuen Pop, und zur Popkultur gehören Superstars. Wer sie sind und was sie ausmacht, haben ForscherInnen am GDI anhand von Netzwerkanalysen evaluiert. Dazu wurde eine Liste mit wichtigen Personen aus der Food-Branche erstellt, darunter TV-­Köche und -Köchinnen, ErnährungswissenschaftlerInnen, Restaurateure und Restaurateurinnen sowie Food-­BloggerInnen.

Sowohl im Web als auch auf Wikipedia wurde mit einer Netzwerkanalyse geschaut, welche Personen im jeweiligen Netzwerk am wichtigsten sind. Für die jeweiligen Top 5 wurde eine zweite Analyse durchgeführt, um zu sehen, wie sie untereinander verbunden sind.

Die Web-Analyse zeigt, dass Personen aus der Food-Sparte hauptsächlich auf sozialen Medien wie Twitter, Facebook, YouTube oder Instagram erwähnt werden (vgl. Grafik). Auch auf Online-Newsportalen wie «The New York Times» oder «Time Magazine» werden sie besprochen. Diese Kanäle liegen aber weit abgeschlagen hinter den sozialen Medien. Viele Food Thought Leader verdanken ihre Bekanntheit also den neuen Medien, die Informationen schnell verbreiten können.

Food Thought Leader Web

 

Auf Wikipedia sind die einflussreichsten Akteure vor allem über grosse Seiten wie IMDb (Internet Movie Database) verbunden. Dies deshalb, weil die meisten von ihnen in Filmen oder Serien erscheinen. Food Thought Leader finden sich aber auch in Verzeichnissen von Nationalbibliotheken und Bibliotheksverbünden an zentraler Stelle wieder. Ist jemand in solchen Verzeichnissen aufgeführt, belegt das seine Wichtigkeit.

Food Thought Leader Wikipedia

 

Über den Einfluss der Thought Leader auf die Food-Welt sagt diese Wichtigkeit allerdings nicht viel aus. Spannender wird es, wenn man die einzelnen Thought Leader genauer unter die Lupe nimmt. Der US-amerikanische Koch und Autor Anthony Bourdain etwa steht an zentraler Position im Netzwerk. Eng verknüpft mit Bourdain findet sich ein Cluster aus Fernsehjournalisten und -journalistinnen, Rundfunksprechern und -sprecherinnen, sowie Korrespondenten und Korrespondentinnen. Bourdain ist nicht nur aufgrund seines Restaurants und seiner Bücher bekannt, sondern vor allem durch seine Fernsehprogramme wie «Anthony Bourdain: No Reservations».

Ebenfalls mit einem Cluster von Journalisten verknüpft ist Michael Pollan, selbst Journalist und Professor an der UC Berkeley Graduate School. In seinem Journalisten-Cluster finden sich mehr Vertreter der Printmedien als aus der TV-Branche. Da sich Pollan für Nachhaltigkeit und gesunde Ernährung einsetzt, ist er in der Grafik auch mit den Themen «Veganismus» und «Vegetarismus» sowie den dazugehörigen Organisationen verknüpft.

Gordon Ramsay und Jamie Oliver wiederum kommen beide aus der gleichen Ecke: Sie sind
Briten, TV-Köche, besitzen mehrere Restaurants und befinden sich im Netzwerk daher nahe beieinander. Der in der Grafik erkennbare Cluster zwischen den Seiten von Ramsay und Oliver besteht vor allem aus Gerichten und Rezepten, die beide in ihren Kochsendungen oder Büchern vorstellen. Umgeben sind sie von den Namen ihrer jeweiligen Restaurant-Ketten, TV-Sendungen und Kampagnen.

Vani Hari befindet sich in einem eher losen Netzwerk, es bilden sich keine Cluster. Als Food-Aktivistin ist sie mit Seiten zu unterschiedlichen Themen vernetzt. Medienunternehmen wie Twitter, «Time Magazine» oder «The Wall Street Journal» und Nahrungsmittelkonzerne wie Kraft, Anheuser Busch oder Subway sind genauso vertreten wie Seiten zu Nahrungsmittelsicherheit.

Was also ist das Erfolgsrezept, um eine Food-Grösse zu werden? Präsenz auf Social-Media-Plattformen ist die wohl wichtigste Zutat. Via Twitter, Facebook und YouTube stehen den Stars neue Wege offen, um direkt mit ihren Anhängern und ihren Anhängerinnen zu kommunizieren und zu interagieren. Weitere Zutaten sind Filme, Fernsehsendungen oder Bücher, mit denen die Food-Celebrities ein breites Publikum erreichen können.

Mehr zur Zukunft der Ernährung gibt es im «European Food Trends Report» zu lesen.