Digitale Welt, analoger Antrieb? Es braucht ein Update!

Das analoge Zeitalter ist vorbei, das digitale längst angebrochen. Wie lässt sich die datengetriebene Welt zukunftsfähig machen? – Antworten aus der neuen GDI-Studie «Das Ende des Konsums».

Dieser Text ist ein Auszug aus der GDI-Studie «Das Ende des Konsums – Wenn Daten den Handel überflüssig machen». Zum Download

Die digitale Gesellschaft ist unsere Zukunft. Doch noch befinden wir uns in der Frühphase dieses umfassenden technologischen Umbruchs. So wie einst die Entstehung der Schrift die Basis für die Entstehung komplexer Organisationen wie Städte und Reiche war; der Telegraf für das Zeitalter der Eisenbahn; und das Telefon für das automobile Jahrhundert, so sind es auch heute Informations- und Kommunikationstechnologien, die dem Wandel zugrunde liegen. Namentlich: Die Erfindung des Smartphones, welches Social Media und damit das Teilen von Informationen aller Art über Texte, Bilder und Videos ermöglicht. Das Smartphone hat den Boden dafür bereitet, dass sich die Auswirkungen der Digitalisierung nicht auf die Produktion beschränken (Industrie 4.0), sondern darüber hinaus alle Lebensbereiche aller Menschen betreffen. 

Damit dürfte der Digitalisierung eine ähnlich umfassende Prägung von Wirtschaft und Gesellschaft gelingen, wie sie zuletzt dem Auto gelang. Denn die Automobilindustrie hat weit über die Grenzen der eigenen und der benachbarten Branchen hinaus die gesamten Gesellschaften des 20. Jahrhunderts dominiert. Die «autogerechte Stadt» war in ihrer Extremform eine planerische Utopie (oder eher Dystopie) der Mitte des 20. Jahrhunderts – aber bis heute sind die automobilen Bedürfnisse zentrales Element jeder Stadt- und Raumplanung. 

Gerade hier lässt sich der Wandel zur digitalen Gesellschaft nachzeichnen. So ist zwar zu erwarten, dass in Städten und an Autobahnen hohe Investitionen in die Netzinfrastrukturen getätigt werden, um für die Datenerfordernisse autonomen Fahrens bereit zu sein. Allerdings werden diese Datennetze auch für beliebig viele weitere Anwendungen zur Verfügung stehen. Die Weiterentwicklung der smarten Geräte wird das Geschäftsmodell des 21. Jahrhunderts ausmachen – sogar die Automobile sind nicht mehr zuerst Hardware, sondern vor allem intelligente Software, die mit jedem Update die Lernerfahrungen aller anderen Fahrzeuge im Netzwerk integrieren. 

Diese kontinuierlichen Updates werden dabei nicht nur ein Merkmal der Software sein, sondern auch die Menschen erreichen. Updates werden aufgrund der in Echtzeit erfassten Datenlage automatisiert. Man muss nicht mehr gleich zum Arzt, wenn man unerklärbare Schmerzen empfindet, weil die persönlichen Gesundheits-Updates anzeigen, wo genau man sich im grünen, gelben oder roten Bereich befindet. Eine Art Update-Denkhaltung entwickelt sich mit der Bereitschaft, kontinuierlich zu lernen, sich Schritt für Schritt zu verbessern und Daten mit Menschen, Maschinen und Systemen zu teilen.

IoAT

Physische Voraussetzung für den Wandel zur digitalen Gesellschaft ist der Ausbau der Dateninfrastrukturen für das IoT (Internet of Things) und in der Konsequenz auch für das IoAT (Internet of Anything) Es braucht eine allumfassende Vernetzung und den automatisierten Datenaustausch Maschinen untereinander (M2M), aber auch zwischen Maschinen und Mensch. Die dazu nötige Energie kann beispielsweise durch  Smartgrids und Microgrids nachhaltig produziert werden – also mit intelligenten Netzen, die Strom verschiedener Anbieter sammeln und weitergeben oder mit lokal abgegrenzten Stromnetzen.

Zu den Voraussetzungen für den Wandel gehört aber auch ein Umdenken in Politik und Verwaltung. Ohne grobe, aber klare und immer wieder anpassbare Vorstellungen künftiger vernetzter Infrastrukturen als Guidelines werden die Grundvoraussetzungen für den Wandel fehlen. Ohne diese Vorleistungen kann die durchgängige Vernetzung also nicht gelingen, und ohne sie kann wiederum die durch Daten angetriebene Wirtschaft nicht durchstarten.