Die neue Klassengesellschaft: Das richtige Mass an Ungleichheit? – Podcast-Folge 27

Die Klassenunterschiede vergrössern sich zusehends – trotz steigender Einkünfte. War es in den 1960er Jahren einem Taxifahrer noch möglich, sich bescheidenen Wohlstand zu erarbeiten, liegt das heute in weiter Ferne. Folge 27 des GDI-Podcasts geht den Ursachen der neuen Klassengesellschaft auf den Grund.

Die reichsten zehn Prozent der Menschen in Europa verfügen über 60 Prozent des gesamten Nettovermögens der Bevölkerung. Und der Trend nach oben für die Reichsten und nach unten für alle anderen setzt sich fort.

Vermögen und Kapitalerträge bringen Wohlstand

Bei Oliver Nachtwey, Professor für Sozialstrukturanalyse an der Universität Basel, klingt das so: «Heute können Sie zwar mit Leistung und Qualifikation weit kommen, aber Sie brauchen im Grunde eine alte Eigentumsstruktur, bereits erwirtschafteten Wohlstand, um nach ganz oben aufzusteigen. Aus eigener Kraft können Sie das in einer Generation fast nicht schaffen.» Seit etwas 2000 seien hohe, mittlere und tiefe Löhne relativ gleich entwickelt, so Nachtwey. Gleichzeitig seien die Einkommen aus Kapital und Vermögen aber gewachsen.

Vor rund 60 Jahren sah das noch ganz anders aus. Da hatten auch Arbeiter eine realistische Chance, sich bescheidenen Wohlstand wie das Häuschen in der Vorstadt aufzubauen. Der französische Wirtschaftswissenschaftler und Autor Thomas Piketty wirft deshalb eine provokante Frage auf: «Egal ob arm, reich, Mittelklasse, in einer Gesellschaft müssten alle mit der gleichen Geschwindigkeit wachsen. Wenn aber das Niveau des Wohlstandes so viel schneller wächst als die Weltwirtschaft, dann ist die Frage angebracht: Was ist das richtige Mass an Ungleichheit?»

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