Die Frau, die Modeketten die Nachhaltigkeit lehrt

Dilys Williams macht globale Unternehmen sozial- und umweltverträglicher. Für Nike zum Beispiel hat die Nachhaltigeits-Expertin eine erfolgreiche App lanciert. Wie sich die Branche langsam erneuert, erklärt Williams am GDI-Trendgespräch «The Future of Fashion».

Katastrophen in Textilfabriken, SOS-Nachrichten von Arbeiterinnen auf T-Shirt-Labels: Die oftmals skandalösen Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie sind im Bewusstsein der Öffentlichkeit angekommen. Und damit auch das Bedürfnis nach nachhaltig produzierter Mode. Tatsächlich sind im Handel erste Labels zu sehen, die für fair und biologisch produzierte Kleider stehen. Doch es sind wenige. Seltsam, wenn man bedenkt, welches Wachstum in nachhaltigen Textilien steckt: Der Bio-Boom im Lebensmittelhandel dauert nun schon zwanzig Jahre an.

Ist die Modeindustrie noch nicht bereit für Nachhaltigkeit? «Doch», sagt Dilys Williams. Williams kennt die verschiedenen Seiten der Modebranche. Jahrelang hat sie als Designerin gearbeitet, unter anderem für Katharine Hamnett, bevor sie 2008 in London das Centre for Sustainable Fashion (CSF) gründete. Als Direktorin hat Williams das Institut zu einem viel beachteten Innovations-Hub zur Zukunft der Mode entwickelt.

Warum also, fragten wir Williams vor ihrem Referat am GDI-Trendgespräch «The Future of Fashion», warum finden wir so wenig Mode in den Läden, die nicht nur Bio-, sondern auch sozialen Standards genügt? «Die Modebranche ist von einem technozentrischen Weltbild geprägt. In ihrem ökonomischen Modell muss die Natur bezwungen und gesellschaftliche und Umweltkosten ignoriert werden. Viele Hersteller bauen darum auf prekäre Produktions- und Konsummodelle. Doch immer mehr Brands und Händler setzen auf Prinzipien der Umwelt- und Sozialverträglichkeit.»

Wie diese Prinzipien umgesetzt werden können, hat Williams in Zusammenarbeit mit Nike gezeigt. Der Sportartikel-Brand hat 2013 in Zusammenarbeit mit dem CSF «Making» lanciert, eine App, die Designern Informationen über Nachhaltigkeit von Textilien liefert.



«Es war von jeher mein Ziel, mit allen Modeplayern für die Nachhaltigkeit zu arbeiten», so Williams. «Die App, die wir gebaut haben, wird von Deisgnern, Studenten, Dozentinnen und Forschern weiterentwickelt. Gleichzeitig gewinnt „Making“ immer mehr Anwender und Preise.» Kann die Textilbranche also, ähnlich wie der Food-Sektor mit Bio, vom Trend zur Nachhaltigkeit substantiell verändert werden? «Ja», sagt Williams. «Das aktuelle Modell war nicht immer schon vorherrschend, wir können es ändern. Die Hürden sind zwar hoch, aber der Wandel ist so nahe wie nie.»

Dilys Williams referiert am GDI-Trendgespräch «The Future of Fashion» vom 21. November an der «blickfang» in Zürcher Kongresshaus. Melden Sie sich an!