Der Teich ist leer: Kommt jetzt der Laborfisch auf den Teller?

13.03.2020

Wir wollen Fisch. Gleichzeitig sind die Bestände weltweit ausgereizt. Ein Problem, für das eine Lösung bald im grossen Stil im Reagenzglas wachsen könnte.

Labor Fisch

Der nachfolgende Text basiert aus einem Auszug aus dem aktuellen «European Food Trends Report», den Sie über unsere Website beziehen können.

Unser Hunger nach Fisch ist gross. Zu gross: 90 Prozent der globalen Fischbestände ist ausgereizt oder bereits überfischt. Und Aquakulturen bergen ähnliche Risiken wie die Massentierhaltung an Land: Wenig Platz für viele Tiere, dadurch prekäre hygienische Zustände und dadurch bedingte Parasitenbefälle. Gegen die werden Antibiotika eingesetzt, die wiederum im Wasser landen. 

Zur Zeit arbeiten weltweit verschiedene Startups mit Hochdruck an neuen Lösungen. Eine der vielversprechendsten ist die des Fischs aus dem Reagenzglas. Und der könnte sogar schneller in die Massenproduktion gehen als das viel besprochene Laborfleisch. Denn die Textur von Fisch ist einfacher reproduzierbar. Ausserdem sind die Produktionskosten geringer, weil Fische  Kaltblüter sind. Die Temperatur in den Zellkulturen muss also nicht ständig künstlich erhöht werden, dadurch fallen zusätzliche Energiekosten weg. 

Ausschlaggebend für die rasche Entwicklung sind auch wirtschaftliche Aspekte. Der Markt für Fisch ist insbesondere in Asien riesig und wenig reguliert. Das Startup Avant Meat aus Hongkong zum Beispiel hat sich auf die Produktion von Fischblasen aus dem Labor spezialisiert. Diese sind aus der traditionellen chinesischen Küche nicht wegzudenken und vergleichsweise einfach herstellbar: Im Gegensatz etwa zu einem Steak, das Muskel-, Fettzellen und Bindegewebe enthält, besteht die Fischblase aus nur einem Zelltyp. Avant Meat gelang es, eine Fischblase in nur eineinhalb Monaten zu züchten. 

Trotz des grossen Potentials von Seafood-Alternativen hatten die meisten Unternehmen und Investoren diese lange nicht auf dem Schirm. Das ändert sich nun: Dem Laborlachs-Unternehmen Wild Type gelang es beispielsweise im März 2018, 3.5 Millionen Dollar Startkapital zu beschaffen. Die Finanzierungsrunde wurde von Spark Capital geleitet, einem Kapitalgeber, der auch von Beginn an in Twitter, Tumbler und Slack investierte.  

Genau wie beim Laborfleisch haben viele KonsumentInnen beim Fisch aus dem Reagenzglas Bedenken. Vor allem in Bezug auf Geschmack und Gesundheit ist die Skepsis gross. Das haben verschiedenen Studien gezeigt. Bevor wir Laborfleisch und -fisch auf unseren Tellern akzeptieren, muss also noch einiges an Aufklärungsarbeit geleistet werden.