Daten-Babel: Warum die Tourismusindustrie gemeinsame Standards braucht

Alle sammeln Daten, doch nutzen tun sie kaum jemandem. Dieses schlummernde Potential kann nur mit gemeinsamen Normen, einer gemeinsamen Sprache, wirklich genutzt werden. Was das für die Tourismus-Industrie bedeuten könnte, beschreiben Forscherinnen und Forscher in der neusten Studie des GDI.

 Dieser Text ist ein Auszug aus der GDI-Studie «Unterwegs mit Smarten Assistenten – Ein Szenario zum Reisen der Zukunft».

Damit Daten zusammenfliessen können, müssen sie miteinander kompatibel sein. Das heisst, sie müssen den gleichen Standards entsprechen, in der gleichen Sprache verfasst sein, derselben Logik folgen – so, wie es etwa der HTML-Code tut. Würde man sich auf so eine Standardform für touristische Daten einigen, wären smarte Assistenten und Programmierer von Apps besser in der Lage, die existierenden Daten zu verwerten. Sie könnten mit wenig Aufwand viele Daten beziehen.

Sind sämtliche Daten offen und entsprechen einem verbreiteten Standard, können auch Plattformen wie Trip-Advisor darauf zugreifen. Womöglich müssten Leistungserbringer (Hotels, Restaurants etc.) so über ihr Angebot nur noch einmal Informationen eingeben, die dann von allen möglichen Vermittlern verwendet werden könnten. Das Ziel ist also weniger eine gemeinsame Webseite oder eine schweizweite App, sondern eine gemeinsame Sprache, die ermöglicht, dass die Daten an unterschiedlichen Stellen zusammenfliessen können, zum Beispiel bei einem smarten Assistenten eines Gastes.

Wie eine solche gemeinsame Sprache aussehen könnte, zeigt das Beispiel datatourisme.fr. Diese Plattform verwendet die touristischen Daten selbst nicht, stellt sie aber der Logik von Open Data folgend allen Interessierten zur Verfügung. So kann jemand beispielsweise eine App programmieren, die alle Restaurants zeigt, in denen Filme gedreht wurden.

Auch das Teilen von Daten über Gäste ist nicht ausgeschlossen und muss nicht gegen den Datenschutz verstossen. Denn es gibt die Möglichkeit, Muster in verschlüsselten Daten zu finden. Verschiedene Leistungsträger können solche Daten bündeln, worauf Datenanalysten darin Zusammenhänge finden könnten, ohne zu wissen, um was für Zusammenhänge es sich genau handelt. Da aber darauf hingewiesen werden kann, welche Datenpunkte miteinander zusammenhängen, können die einzelnen Leistungsträger in den nichtverschlüsselten Daten erkennen, worum es sich bei den Zusammenhängen handelt.

Neben dem Vorteil, den Leistungsträger im Nutzen eines gemeinsamen Standards erkennen müssen, sollte es ihnen auch möglichst einfach gemacht werden, diesen Standard umzusetzen. Dazu sind APIs für bestehende Restaurant- und Hotelsoftwares denkbar, welche die dort enthaltenen Daten ins richtige Format ummünzen. Auch könnte eine eigene Software entwickelt werden, die sich von Beginn weg an die richtige Formatierung hält und Leistungsträgern Möglichkeiten gibt, bestimmte Daten über das eigene Angebot zur Verfügung zu stellen.