Dagmar Rösler: «Die Schule muss auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren»

Was erwartet unsere Kinder? Die GDI-Studie «Future Skills» entwirft vier Szenarien für das Jahr 2050 und leitet davon ab, welche Fähigkeiten für diese Zukünfte notwendig sind. Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbandes der Schweizer Lehrer (LCH), beantwortet in einem Text Fragen aus der Online-Studienpräsentation vom 26. Mai 2020.

Dagmar Rösler

Bildung ist ein sehr schwerfälliges System. Wie geht man vor um dieses System aufzubrechen?

Dagmar Rösler: Es müssen zuerst sowohl gesellschaftliche als auch politische Erkenntnisse wachsen, dass die Schule kein obligatorische Station von theoretischer Wissensvermittlung ist, sondern ein Ort wo soziale Intelligenz, Kreativität, Lösungsfindungen im Einklang mit Wissenserwerb gelebt werden soll. Diese Erkenntnisse müssen sich politisch durchsetzen können um entsprechende Umsetzungen breit abgestützt sowohl in der Schule als auch in den Ausbildungsstätten umsetzen zu können. Ganz sicher können aber auch Schulen hier mit gutem Beispielen vorangehen und aufzeigen, was im bereits bestehenden Rahmen möglich ist. Ich weise hier gerne auf ProfilQ, die Allianz für Schulqualität, hin. Es finden bereits sehr viele gute Bestrebungen und auch Umsetzungen statt, Schule weiterzuentwickeln. Es ist sehr wichtig, dies sichtbar zu machen und weiterzutragen.

Inwiefern sind unsere Bildungssysteme (insbesondere auch in der frühen Kindheit) parat, Kinder für die in Zukunft notwendigen proaktiven Skills zu schulen?

Wir haben mit dem Lehrplan 21 ein gutes Instrument, wenn es darum geht, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern eben auch Kompetenzen zu erlernen. Die Schule muss sich sowieso fortlaufend weiterentwickeln und auf die gesellschaftlichen Veränderungen reagieren. Das ist eine Herausforderung, die mal besser, mal schlechter gelingt.
Für die frühe Kindheit (0-4) kann in der Schweiz noch so einiges gemacht werden, auch in Bezug auf die Chancengerechtigkeit, damit alle Kinder das nötige Rüstzeug erhalten.

Müsste diese Fähigkeiten nicht bereits im Elternhaus anfangen? Respektive wie könnten Eltern oder die Gesellschaft dazu beitragen?

Natürlich ist es auch entscheidend, was die Kinder bereits in ihrem «Rucksack» haben, wenn sie in die Schule kommen. Wenn man auf etwas aufbauen kann, ist es immer viel ertragreicher und wirksamer, als wenn Kinder mit wenig bis keinen Erfahrungen beispielsweise in den Kindergarten eintreten. Solche Dinge sind während der ganzen Schulkarriere deutlich spürbar. Auch die Unterstützung und die Begleitung von Seiten des Elternhauses sind zentral.
Gesellschaftlich denke ich, müsste man von der Leistungsorientierung und dem Druck, der auf Kinder und Jugendliche ausgeübt wird wieder etwas weg kommen und vermehrt den Fokus auf den Lernfortschritt richten, den Kinder während der Schulzeit und im Verlauf ihrer Kindheit machen. So könnte sich Kreativität besser entfalten.
Man muss aber auch sehen, dass bereits viel Gutes in den Schulen passiert. Schulen entwickeln sich ja auch immer weiter, vielleicht nicht so schnell, wie das manchmal gewünscht wird, aber sie muss sich ja auch nach den politischen Vorgaben richten.

Studienpräsentation anschauen:

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