Chip-Implantate in der Altenpflege? Längst keine Zukunftsmusik mehr

Es klingt nach Cyberpunk, ist heute aber schon Realität in der Gerontotechnologie: implantierte Mikrochips. Demenzerkrankte profitieren davon in den unterschiedlichsten Alltagsaufgaben.

Demenz Mikrochips

Dieser Text basiert auf einem Auszug aus der GDI-Trendübersicht «Demenz und Technologie». Zum Download.

Mit einer Demenzerkrankung werden alltägliche Aufgaben schnell zum unüberbrückbaren Hindernis. Gerontotechnologien unterstützen die Erkrankten dabei, diese Barrieren zu überwinden – so auch implantierte Mikrochips.

Chip-Implantate unter der Haut, oftmals zwischen Daumen und Zeigefinger, haben vielfältige Anwendungsmöglichkeiten. Dies weiss kaum jemand besser als Jowan Österlund, CEO von Biohax International. Mit seiner Firma hat er Microchip-Implantate kommerzialisiert und zum Trend gemacht. In seinem Heimatland Schweden haben bereits über 4000 Menschen ihre Geldbörse oder ihren Wohnungsschlüssel durch einen Chip unter der Haut ersetzt. Auf diese Weise könnten auch an Demenz erkrankten Menschen viele Hürden genommen werden. Nur schon, weil  implantierte Mikrochips nicht verloren gehen.

Nicht nur das. Durch implantierte Mikrochips mit GPS-Unterstützung können pflegebedürftige Menschen, die sich verirren, schnell wieder aufgefunden werden. Grundsätzlich stellt sich bei allen Technologien mit einer Überwachungs- und Monitoringdimension die Frage nach der Urteilsfähigkeit und dem (mutmasslichen) Willen der von Demenz betroffenen Person. Diese «Kontrolle» der Erkrankten wirft also ethische Bedenken auf und unterstreicht die Notwendigkeit klarer Richtlinien im Umgang mit Demenzerkrankten, wie in einer Studie von Ruth Landau and Shirli Werner (2012) diskutiert wird.

Neue Technologien wie implantierte Mikrochips bieten eine Vielfalt an Einsatzmöglichkeiten, um Demenzerkrankte zu unterstützen. Die Multifunktionalität der Chip-Implantate hilft bei alltäglichen Aufgaben. Da die Technologie nicht ausschliesslich für Menschen mit Demenz konzipiert ist, ist die Akzeptanz gegenüber diesen erhöht. Chip-Implantate sind also eine grosse Chance für ein barrierefreieres Leben für Demenzerkrankte.