Bis dass der Code euch vereint

Online-Dating boomt. Millionen von Kunden, komplexe Profile, diffizile Suchen – wenn mit Big Data Geld zu verdienen ist, dann wohl hier. Ein Blick ins Rechenzentrum der Partnerfinder.

Von Christian Rauch

811 Millionen Euro gaben Europäer 2011 für die virtuelle Partnersuche aus. In der Schweiz suchen mehr als eine Million Menschen ihren Lebens- oder Erotikpartner online. 33 Millionen Franken wurden 2011 im Online-Dating umgesetzt. Seit es Menschen gibt, suchen und finden sie sich, für kurz, für lang, für immer. Komplexe Suchen mit breitem Kundenpotenzial und hoher Zahlungsbereitschaft: Wenn mit Big Data Geld zu verdienen ist, dann doch wohl hier. Oder?

Dass die Online-Partnersuche komplex ist, merken Neueinsteiger erst einmal bei sich selbst. Bevor sie Partnervorschläge erhalten, müssen sie zwischen 70 und 280 Fragen beantworten. Das anschliessende Matching, also der Vergleich des anhand der Fragen erstellten Profils mit den Profilen der anderen, ist das grosse Geschäftsgeheimnis der Anbieter. Parship verrechnet offiziell jedes Kriterium nach bestimmten Regeln – 136 mathematischen Algorithmen. Manche Attribute werden nach harmonischen Gesichtspunkten verknüpft, andere nach dem Gesetz der sanften Gegensätze. Bei Friendscout 24 spricht man von «strukturierten Bündeln von Fragen», die gebildet und verglichen werden. Diese Bündel bestimmen eine Vielzahl von Beziehungsdimensionen: von den Ansprüchen an ein Beziehungsideal (emotionale Nähe, Unabhängigkeit, Gemeinsamkeit oder Sexualität) bis zu intellektuellen Ansprüchen an den Traumpartner.

«It's all about mobile»


Die Zahl der Matching-Schritte erreicht dabei schnell grosse Dimensionen. «Sind Sie eine Frau, werden Sie bei uns mit allen in der Datenbank verfügbaren Männern verglichen», erklärt Lisa Fischbach von Elitepartner. Bezieht man diese Rechenvorgänge auf den beispielhaften Wert von zwei Millionen Männern, sind bereits mehrere hundert Millionen Schritte erforderlich. Da sich bei einer grossen Online-Partnervermittlung einige tausend neue Kunden pro Tag anmelden und ihr Profil abschicken, multipliziert sich die Gesamtzahl der Matching-Schritte also leicht in die Billionen.

Fragt man Datinganbieter nach den entscheidenden Zukunftstechnologien, spielt die mobile Kommunikation die wichtigste Rolle. Markus Frind, Gründer der grossen englischsprachigen Datingseite Plenty of Fish mit 40 Millionen registrierten Nutzern, erklärte im Februar 2012: «The web is dead, it’s all about mobile.» 300 Millionen Mal pro Monat würden seine Apps laut Frind aufgerufen, der mobile Datenverkehr wachse mit drei Prozent pro Woche. Da wollen auch die deutschen Singlebörsen nicht hinterherhinken, und so haben mittlerweile alle grossen Anbieter Mobile-Apps im Programm.

Augmented Dating


Bislang verbreitern mobile Anwendungen im Datingsektor lediglich den potenziellen Nutzungszeitraum ins «Ubiquitäre» – was freilich den Traffic für die Anbieter enorm erhöht. Eine echte Erweiterung der Funktionen im mobilen Umfeld könnte Augmented Reality bringen. Testapplikationen wie «Streetspark» und «Go for it» haben es vor Jahren schon illustriert: Wer mit einer Augmented-Reality-App durch die Strassen läuft, sieht andere Menschen durch das Handydisplay mit einem eleganten Marker versehen: Sucht er oder sie einen neuen Partner oder ein Abenteuer? Mag er oder sie es zart oder hart? Aktuell erprobt die beliebte Augmented-Reality-App «Layar» aus den Niederlanden die Datingfunktion «Datelayar».

Der Schritt von der Augmented Reality in die echte Virtual Reality ist hingegen noch Zukunftsmusik. Die oft gerügte Schwäche des virtuellen Kennenlernens, die Reduktion dreidimensionaler Menschen auf zweidimensionale Profile und die «realitätsferne» Art der Kommunikation, könnte damit zwar überwunden werden. Doch noch kämpfen Elektronikriesen wie Sony damit, vergleichsweise simple Videobrillen angenehm und ergonomisch zu gestalten – bis man den Traumpartner «quasi real» vor sich auf dem heimischen Sofa sitzen sieht, ist der Weg noch weit.

Dies ist ein Auszug eines Artikels. Den ganzen Text finden Sie in der Printausgabe von GDI Impuls 1.2013. Hier gehts zum Abo.