Generationenstudie – Älter werden zwischen Offenheit und Bewahrung

Mit 33 Jahren hören die Menschen im Durchschnitt auf, neue Musik zu entdecken. Eine GDI-Studie wird diesen Übergang vom Entdecken zur Konstanz untersuchen. Die Studie erscheint 2020.

Generationsstudie

Klischeehafte Beschreibungen ganzer Generationen wie etwa Generation Golf, X oder Easy Jet sind beliebt. Allerdings unterstellen sie, dass Zuschreibungen auf alle Mitglieder einer Generation zutreffen. Zudem wird implizit angenommen, dass Generationenunterschiede auf stabilen Persönlichkeitszügen basieren. Die Lebensumstände werden dabei aber ausser Acht gelassen. Doch vielleicht sind jüngere Menschen ja – entgegen dem verbreiteten Stereotyp – gar nicht kritischer gegenüber Besitztümern wie Autos oder Einfamilienhäusern, sondern können sie sich einfach nicht leisten.

In dieser Studie soll das Älterwerden aus einem anderen Blickwinkel betrachtet werden. Ein prozessorientierter Ansatz definiert Jugend als eine Wachstumsphase und das Alter als Phase der Bewahrung: Jung wollen wir neue Dinge lernen und Erfahrungen sammeln, alt wollen wir die erworbenen Erfahrungen und Fähigkeiten nicht wieder verlieren.

Eine Untersuchung von Spotify-Daten ist hier aufschlussreich: Mit durchschnittlich 33 Jahren hören die Menschen auf, neue Musik zu entdecken. Hier scheinen die Lebensumstände entscheidender zu sein als eine Generationenzugehörigkeit. Und wo sich Jugend und Alter zunehmend vermischen, kann man nach einer Bewahrungsphase vielleicht sogar wieder explorativ werden – Wachstum und Bewahrung lösen sich dann vom chronologischen und biologischen Älterwerden.

In der neuen Generationenstudie setzt sich das GDI mit diesem Wandelmoment auseinander. Untersucht wird, unter welchen Umständen und auf welchen Gebieten Menschen aufhören, offen und neugierig zu sein, zu explorieren, zu wachsen und zu lernen und übergehen zu Bindung, Bewahrung, Beharrlichkeit und Beschützen. Sind Persönlichkeitsmerkmale, finanzielle Möglichkeiten oder Bildungschancen allenfalls relevanter für das Aufrechterhalten von Offenheit als das Älterwerden?

Eine quantitative Umfrage unter Menschen zwischen Jugend und Seniorität in der Schweiz und in Deutschland liefert die Ausgangsdaten der Untersuchung. Die Studie wird im Frühjahr 2020 veröffentlicht.