Vaclav Smil ist ein aussergewöhnlicher Denker. Seine intellektuelle Bandbreite ist enorm. Er beschäftigt sich mit der Zukunft der Ernährung ebenso wie mit unternehmerischer Innovation und nachhaltiger Architektur. Unlängst hat der kanadische Denker seine Brillanz in einem Interview mit dem Magazin «Wired» erneut unter Beweis gestellt.

Energie, Bildungswesen, Industrie – mühelos argumentiert sich der temperamentvolle Universalgelehrte über akademische Sparten hinweg. Smil kreiert so, was man auf Englisch die Voraussetzung für jede Problemlösung nennt: The Big Picture. Seine Ansätze stossen nicht nur in akademischen Kreisen auf Zuspruch. Bill Gates ist ein grosser Fan und schwärmt auf seinem Blog von Smils vernetztem Denken.

Am 26. Februar hält Vaclav Smil im GDI einen Vortrag über die Zukunft der Ernährung. Bis dahin präsentieren wir ihnen die wichtigsten Zitate aus dem Wired-Interview – als Einladung zum Anlass vom kommenden Mittwoch.

Vaclav Smil über:

Die Zukunft der Ernährung
«Wir können zehn Milliarden Menschen ernähren – wenn wir weniger Essen wegwerfen und weniger Fleisch essen. Wir wenden so viel Energie auf, um Getreide und Soja anzupflanzen, um damit Tiere zu ernähren, und gleichzeitig geben wir ihnen Antibiotika. Und dann werfen wir 40 Prozent des Essens auch noch weg.»

Fleischesser und Vegetarier
«Fleischesser mögen mich nicht, weil ich zur Mässigung aufrufe, und Vegetarier mögen mich nicht, weil ich sage, Fleisch zu essen sei nicht falsch. Fleisch ist ein Teil unseres evolutionären Erbes! Es hat uns dazu gemacht, was wir sind. Das Problem ist einzig, dass wir jährlich 90 Kilogramm pro Kopf essen.»

Effizienz der Landwirtschaft
«Man kann die Effizienz der Photosynthese nicht steigern. Wir erhöhen die Leistung von Plantagen, indem wir sie bewässern und düngen. Aber wir können die Ernte nicht jedes Jahr verdoppeln. Pflanzen lassen sich nicht ewig maximieren.»

Apple als Innovator
«Apple zahlt keine Steuern, lässt alles im Ausland herstellen – und wird doch von allen verehrt. Dieses neue iPhone kann doch nichts Neues! Es ist nur neuerdings goldig. Was solls, zum Teufel! Wenn ein Unternehmen beginnt, mit den Farben zu spielen, weiss man, dass es ausgezählt ist.»

Unternehmerische Innovation

«Innovation entsteht, wenn jemand ein bereits existierendes Produkt besser macht. Wichtig ist dabei die interne Forschung. Die meisten Neuerungen im Bereich LCD-Bildschirme beispielsweise kommen aus Korea. In den USA kann nur Gorilla Glass mithalten, weil die 700 Millionen Dollar pro Jahr in die interne Forschung investieren.»

Ausbildung als Basis für Innovation

«Nur zwei Länder machen es gut: Deutschland und die Schweiz. Beide haben eine starke verarbeitende Industrie, und in beiden Ländern gehen die Jungen mit 14 oder 15 Jahren in eine Lehre. Wenn Sie jung beginnen und von älteren Menschen lernen, kann die Qualität Ihre Produkte nicht übertroffen werden. Hier liegt der Grundstein für alles.»

Das ganze Interview lesen Sie auf Wired.com. Kommenden Mittwoch, 26. Februar 2014, hält Vaclav Smil im GDI ein Referat mit dem Titel «The future of food on the age of less». Melden Sie sich an!