«Der Traum vom Internet ist geplatzt», stellte der Medienwissenschafter Norbert Bolz am Ende des 10. Europäischen Trendtages vom 19. März fest. Die Netzwerke hätten die Welt nicht demokratisiert, vielmehr sei sie polarisierter denn je. Im GDI Gottlieb Duttweiler Institute kamen nebst Trendforschern wie Bolz auch Unternehmerinnen und Autoren zusammen, um mit rund 300 Konferenzteilnehmern über die Konsequenzen der weltweit zunehmenden Polarisierungen in Wirtschaft und Gesellschaf zu diskutieren.

Drei Video-Interviews mit Referenten der Tagung zeigen, wo sich der Trend zur Ungleichheit besonders stark manifestiert.

Die Autorin Chrystia Freeland analysierte, wie sich die Gesellschaft unter der wachsenden Einkommensungleichheit verändert. In ihrem Buch «Plutocrats» untersucht sie eine neue, globale Elite von Superreichen. Dabei zeichnet die kanadische Ex-Journalistin und Neo-Politikerin ein differenziertes Bild. Die Superreichen seien meritokratischer geprägt als früher und trieben die Wirtschaft voran, so etwa Alpha-Geeks wie Bill Gates oder Mark Zuckerberg. «Das Problem ist, dass sie nicht genug Jobs für die Mittelklasse produzieren. Wir sollten ihren Einfluss so steuern, dass die Superreichen der Allgemeinheit dienen, nicht umgekehrt.»

Wie neue Polarisierungen Macht umverteilen, zeigt das Beispiel Bitcoin. Die digitale Währung wird direkt zwischen Personen oder Unternehmen gehandelt und umgeht so Notenbanken. John Matonis, Executive Director der Bitcoin-Stiftung, hob am Trendtag denn auch den demokratisierenden Aspekt von Bitcoin hervor: «Wir sind auch in jenen 60 Ländern präsent, in denen die Bezahlsysteme Visa, Mastercard und Paypal verboten sind.»


Neue Polaritäten zeigen sich auch im Marketing. «Die Neuen Medien haben die Konsumenten mächtiger gemacht», erklärte der Technologie-Forscher Venkatesh Rao. Denn trotz der vielen neuen Werkzeuge für CMOs – Big Data, Social Media – würden letztlich die Kunden die Kommunikation über Produkte bestimmen. «Die Herausforderung ist, eine neue, erwachsene Beziehung zu den Kunden aufzubauen.» Die Devise dürfe nicht mehr heissen «kreiere und behalte einen Kunden», sondern «kreiere einen Kunden und lasse ihn weiterziehen.»